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Brüssel/Paris
Die Tage danach in Brüssel

Brüssel/Paris. Die Terrorangriffe haben die Stadt gelähmt, vieles erinnert an Paris im November. Aber das Gedenken findet auch eigene Formen.

In Paris zog es schon am Morgen nach der Terrorserie im November 2015 die ersten zu den abgesperrten Anschlagsorten. Die Schauplätze wurden zu Gedenkstätten. An der abgeriegelten Metro-Station Maelbeek mitten im Brüsseler Europaviertel liegen dagegen nur wenige Blumen. Seit dem Abend nach den Anschlägen kommen Einheimische und Touristen zum Platz vor der Börse in der Innenstadt, legen Blumen nieder und stellen Teelichter auf - mitten auf einer langen, leeren Einkaufsstraße. Drum herum ein Ring aus Fernsehteams. Ein Reporter nennt es "Trauer-Happening". Gestern traten die Brüsseler Philharmoniker dort auf. In Paris war es der Platz der Republik, der zum zentralen Gedenkort wurde. Belgien aber gilt als zerrissen. Der Konflikt zwischen Flamen und Wallonen spaltet das Land. Es gibt drei offizielle Landessprachen. Rund um die EU-Institutionen trifft man auf jede denkbare Nationalität.

Die Trauer äußert sich genauso international: An Balkonen hängen zwar belgische Flaggen, und auch an einem Gitter der Börse ist eine zu sehen - daneben aber auch türkische, britische und portugiesische. In Frankreich dagegen standen nationale Symbole nach den Terrorattacken hoch im Kurs: Immer wieder wurde die kämpferische Nationalhymne gesungen, Medien berichteten von hoher Nachfrage nach französischen Flaggen. Frankreich, das sich als Land der Menschenrechte und von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit versteht, hat die Anschläge als Angriff auf diese gemeinsamen Werte verstanden.

In Belgien ist das Manneken Pis ein Zeichen des Trotzes: Auf einem Bild, das sich rasch in den sozialen Medien verbreitet, steht der kleine Mann, der sich in der belgischen Hauptstadt in einem Brunnen erleichtert, und pinkelt auf den Zünder einer Bombe. Darunter steht "Pis & Love" in Anlehnung an "Peace & Love" (Frieden und Liebe). Auch in Paris zeigten die erschütterten Menschen Stärke, auf handgemalten Zetteln, hingekritzelten Botschaften etwa: "Vive la France", "Widerstand gegen die Barbarei" und immer wieder: "Nicht mal Angst".

Bilder, Karikaturen und Slogans tauchen auch im Internet auf. Seit dem Angriff auf das Pariser Satiremagazin "Charlie Hebdo" wurde das Solidaritäts-Motto "Je suis Charlie" immer wieder angepasst. Nun wurde daraus "Je suis Bruxelles" oder "Ik ben Brussel". Doch anders als nach Paris färben nach Brüssel nur wenige ihre Profilfotos in den sozialen Netzwerken in den Farben des angegriffenen Landes.

In Brüssel begegnet man der Tragödie auch mit Humor. Auf den Straßen der bierseligen Stadt steht etwa "Beer is better than blood" (Bier ist besser als Blut). Unter dem Schlagwort #AufdieLiebe twitterten etliche Fotos, auf denen sie gegen den Terror das Glas erheben.

Im Europaviertel laufen vier Tage nach den Anschlägen die Menschen wieder geschäftig durch die Straßen. Die Metro fährt wieder - wenn auch eingeschränkt. Viele wollen scheinbar schnell zurück zur Normalität. In Paris wirkten die Straßen anfangs wie erstarrt, gespenstisch verwaist. Doch nach wenigen Tagen wurde auch hier zum demonstrativen Bar-Besuch aufgerufen. Für viele wurde das Glas auf der Café-Terrasse zum Symbol, sich Freiheit und Lebensstil nicht nehmen zu lassen.

(dpa)
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