Deutsche Aktien brechen ein: Dow-Jones-Index über 700 Punkte abgesackt
zuletzt aktualisiert: 14.04.2000 - 22:16New York/Frankfurt (AP). Am New Yorker Aktienmarkt ist es am Freitag zu einem drastischen Kursturz gekommen. Kurz vor Schließung der Wall Street um 22.00 Uhr (MSEZ) lag der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte über 700 Punkte unter dem Wert vom Vortag. Bereits in der ersten Stunde des Handels war der Dow-Jones-Index um 218,18 Punkte oder zwei Prozent auf 10.705,37 abgerutscht. Auch der umfassende Nasdaq-Index für Technologiewerte sackte wie in den Vortagen weiter ab. Kurz vor Börsenschluss lag er 390 Punkte unter dem Wert vom Vortag.
Als Hauptgrund für den drastischen Verfall der Technologiewerte nennen Analysten die wachsende Erkenntnis, dass Investoren diese Werte im vorigen Jahr zu hoch getrieben haben. Im vergangenen Jahr legte der Nasdaq um 86 Prozent zu. Weitere Unruhe an der Wall Street riefen die am Freitag veröffentlichten Daten über die Preisentwicklung hervor. Demzufolge beschleunigte sich der Preisauftrieb im März, was wiederum zu Befürchtungen über weitere Zinserhöhungen führte. Der Frankfurter Aktienmarkt ist im späten Handel am Freitag eingebrochen. Der Tag hatte lustlos und mit überschaubaren Verlusten begonnen. Das änderte sich schlagartig nach der Bekanntgabe der amerikanischen Verbraucherpreise für den März. Sie waren mit einem Anstieg von 0,7 Prozent im Vergleich zum Februar deutlich höher als erwartet ausgefallen. Die deutsche Börse reagierte darauf mit einem Kursrutsch. Die Verluste weiteten sich nach der schwachen Eröffnung der Wall Street weiter aus.
Der Deutsche Aktienindex DAX schloss den Tag mit einem Verlust von 3,14 Prozent bei 7 214,83 Zählern ab. Der NEMAX-50 Performanceindex rutschte um 4,95 Prozent auf 6 418,21 Punkte (revidiert) ab. Der MDAX fiel um 0,23 Prozent auf 4 306,99 Zähler. Der EuroStoxx-50 verlor 2,84 Prozent auf 5 034,25 Punkte.
Unter den größten Verlusten im DAX litten Epcos, die mit einem Minus von 7,72 Prozent auf 116,10 Euro den Handel beendeten. Die Aktie schwankte stark und war zeitweilig sogar an der Spitze des DAX. Deutsche Telekom verloren 6,19 Prozent auf 70,01 Euro. Der Wert litt Händlern zufolge auch unter dem Ausgabekurs von T-Online. Im vorbörslichen Handel fiel er erstmals unter den obersten Wert der Preisspanne von 26 bis 32 Euro. Auch die Schwäche der Technologietitel in den USA setzte das Papier unter Druck.
Ein Plus von 1,20 Prozent auf 42,00 Euro Euro genügte für die Commerzbank-Aktie, um die DAX-Werte anzuführen. Das Papier profitierte von den erneut aufflammenden Fusionsgerüchten mit der Dresdner Bank. Dabei war die Commerzbank den Spekulationen über ein mögliches Zusammengehen mit der Dresdner Bank am Freitag entschieden entgegengetreten. Äußerungen ihres Vorstandssprechers Martin Kohlhaussen seien am Finanzplatz Frankfurt «maßlos überinterpretiert» worden.
Die Versorgerwerte notierten leichter. VEBA fielen um 2,75 Prozent auf 53,00 Euro, während VIAG um 3,59 Prozent auf 20,92 Euro rutschten. Der EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti hatte schwerwiegende Bedenken gegen die geplante Fusion der beiden Energiekonzerne VEBA geäußert. Daraufhin gaben die beiden Unternehmen bekannt, dass sie keine Zweifel an der kartellrechtlichen Zustimmung zur Fusion hätten. Allerdings gingen sie davon aus, dass sie sich von Beteiligungen trennen müssen.
Besonders deutlich waren die Verluste am Neuen Markt: Broadvision fielen um 16,67 Prozent auf 37,50 Euro, Fantastic rutschten um 20,94 Prozent auf 18,50 Euro ab und EM-TV ließen um 2,53 Prozent auf 73,10 Euro nach.
Der Bund-Future fiel um 37 Stellen auf 105,33 Zähler. Der REX ließ um 20 Punkte auf 110,51 Zähler nach. Die Umlaufrendite lag unverändert bei 5,10 Prozent.
Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt legte den Referenzkurs auf 0,9540 US-Dollar fest. Für den Dollar ergibt sich damit ein Kurs von 2,0501 (2,0508) DM.
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