Geplant: Fusion gleichberechtigter Partner: Dresdner und Commerzbank verhandeln seit Juni
zuletzt aktualisiert: 17.06.2000 - 13:07Hamburg (dpa). Die Dresdner Bank und die Commerzbank haben nach Informationen der «Financial Times» seit Anfang Juni über eine Fusion gleichberechtigter Partner verhandelt.
Die Dresdner Bank wolle ein für diesen Samstag anberaumtes Spitzentreffen aber platzen lassen, schrieb die «Financial Times» unter Berufung auf einen der Dresdner Bank nahe stehenden Informanten. Bei den Gesprächen habe es um die Aufteilung der Managerpositionen gehen sollen.
Es seien Zweifel an der Einigkeit des Commerzbank-Vorstandes aufgetaucht, schreibt die Londoner Finanzzeitung. Der Chef des Investment-Bankings, Klaus Patig, und sein Vorstandskollege Klaus Müller-Gebel seien angeblich für eine Fusion, andere Manager würden skeptischer eingestuft.
Ziel der Verhandlungen sei eine Fusion im Verhältnis 50:50, schreibt das Blatt. Das neue Institut hätte rechnerisch einen Börsenwert von 47,5 Milliarden Euro, wovon alleine auf die Dresdner 26 Milliarden entfallen.
Die Banken hätten bereits ihre wichtigsten Aktionäre kontaktiert, darunter bei der Commerzbank die spanische Banco Santander Central Hispano, die französische Credit Lyonnais und den italienischen Versicherer Generali. Die Commerzbank sei unter Druck, seit die Beteiligungsgesellschaft CoBra 17 Prozent der Anteile an dem Frankfurter Institut erworben habe.
Ein nicht genannter Dresdner-Manager erklärte dagegen der «Sächsischen Zeitung», es gebe keine Fusionsverhandlungen. Die Dresdner Bank verhandele mit der Commerzbank lediglich über eine engere Zusammenarbeit in «kostenintensiven Bereichen». Dabei gehe es um die Abwicklung des Zahlungsverkehrs und den Handel mit Wertpapieren. Zudem würde die Commerzbank gerne von der Investmentbank Dresdner Kleinwort Benson profitieren, an deren Zukunft im April die Fusionsverhandlungen der Dresdner Bank mit der Deutschen Bank gescheitert waren.
Die Fusionsgerüchte hatten am Freitag den Frankfurter Aktienhandel belebt. Die Aktien der Commerzbank stiegen zwischenzeitlich um gut vier Prozent, schlossen am Ende aber 1,81 Prozent niedriger. Auch Dresdner-Aktien zogen zuerst deutlich an, um am Ende 1,31 Prozent niedriger aus dem Markt zu gehen.
Offiziell wollten die beiden Banken die Berichte nicht kommentieren. Bankexperten halten eine Vollfusion der Nummern drei und vier der privaten deutschen Großbanken eher für unrealistisch.
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