| 07.47 Uhr

Mainz
Dreyer und Klöckner streiten sich lächelnd

Mainz. Verkehrte Fronten im rheinland-pfälzischen TV-Duell: Die Ministerpräsidentin von der SPD lobt die Kanzlerin. Von Dietmar Brück

Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz haben sich die beiden Spitzenkandidatinnen, Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und ihre Herausforderin Julia Klöckner (CDU), im TV-Duell gegenübergestanden. Seit Monaten liegt die SPD in den Umfragen deutlich hinter der CDU. Dreyer stand also unter Druck - trotz hoher Sympathiewerte.

Der Schlagabtausch vollzog sich über weite Strecken mit einem Lächeln. Dreyer und Klöckner versuchten, gewinnend rüberzukommen; scharfe Töne blieben aus. Dreyers Anspannung war insgesamt offensichtlicher. Sie grätschte ein paarmal in Redebeiträge ihrer Rivalin und musste von Moderator Fritz Frey gestoppt werden.

Dreyer punktete beim Thema Flüchtlinge, indem sie auf Klöckners ambivalente Haltung zur Politik der Kanzlerin anspielte. Die Ministerpräsidentin machte sich zur Fürsprecherin Angela Merkels: "Die Kanzlerin hat einfach recht. Wir brauchen eine europäische Lösung." Dann hielt sie Klöckner vor: "Sie fallen ihr in den Rücken, anstatt sie zu stärken." Einen Konter konnte die Herausforderin aber setzen: "Es wäre gut gewesen, wenn Sie die Kanzlerin im Bundesrat unterstützt hätten", sagte Klöckner mit Blick auf den Streit um sichere Herkunftsländer.

Dreyer war immer stark, wenn sie Politik mit einer persönlichen Haltung verband. Als Klöckner bei Schwimmanzügen (sie sprach von "Schwimmburka") für muslimische Mädchen anlangte, warnte Dreyer davor, Probleme aus Kalkül herbeizureden, und meinte: "Leben Sie eigentlich in Rheinland-Pfalz? Wir haben einen ausgezeichneten interreligiösen Dialog." Und sie ergänzte: "Imame geben in der Regel hier einem auch die Hand."

Klöckner dagegen warf Dreyer Naivität vor und nannte Problemfelder beim Namen, als sie mit Blick auf die Migranten formulierte: "Es gibt einige, die vergiften schon das Klima." Und weiter, an die Kölner Silvesternacht erinnernd: "Menschen sind unterschiedlich, zu uns ins Land kommen keine Heiligen." Als Kronzeugen für eine Integrationspflicht rief sie dann ausgerechnet die SPD-Spitzenpolitiker Sigmar Gabriel und Andrea Nahles auf.

Die Pleite beim Ausbau des Nürburgrings, die Hunderte Millionen Euro an Steuergeldern kostete, verband Klöckner wenig später mit angeblich fehlender Glaubwürdigkeit sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik: Das verlorene Geld hätte in Straßeninfrastruktur und schnelles Internet investiert werden können. Diese Anspielung überhörte Dreyer geflissentlich.

In einer nicht repräsentativen Befragung des Testpublikums beim SWR sahen danach 35 Prozent die amtierende Ministerpräsidentin als Siegerin, 32 Prozent die Herausforderin. Für die Parteigänger war das Ergebnis des TV-Duells dagegen erwartungsgemäß eindeutig. "4:1 für Julia", hörte man danach von der CDU. "Nach 60 Minuten steht fest: Julia Klöckner hat das Duell klar für sich entschieden", frohlockte der christdemokratische Generalsekretär Patrick Schnieder. Jens Guth, Schnieders Pendant auf der sozialdemokratischen Seite, hatte natürlich einen völlig anderen Schlagabtausch gesehen. "Malu Dreyer hat das TV-Duell mit ihrer klaren Haltung gewonnen", triumphierte der SPD-Mann.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mainz: Dreyer und Klöckner streiten sich lächelnd


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.