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Moderatorentätigkeit ruht: Drogenverdacht: Haare von Friedman werden untersucht

zuletzt aktualisiert: 12.06.2003 - 12:20

Berlin (rpo). Die Haare von Moderator und Politiker Michel Friedman werden nun auf Drogenspuren untersucht. Friedman sei die Haarprobe am Vortag auf Antrag der Berliner Staatsanwaltschaft entnommen worden, als seine Privat- und Büroräume durchsucht wurden, sagte der Berliner Justizsprecher Björn Retzlaff.

Seine Moderationen als Talkmaster der Sendung "Vorsicht! Friedman" lässt Friedman auf eigenen Wunsch vorerst ruhen, wie sein Sender, der Hessische Rundfunk (hr) mitteilte.

Zu den Vorwürfen wollte sich Friedman vorerst nicht äußern. Über seinen Anwalt ließ er laut hr erklären: "Zur Sache kann ich mich erst nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft äußern, sobald die Ermittlungen abgeschlossen sein werden." Der Zentralrat der Juden und der hr warnten vor Vorverurteilungen. Bei Durchsuchungen seiner Frankfurter Wohnung und seiner Anwaltskanzlei waren am Mittwoch drei Tüten mit weißen Pulver-Rückständen gefunden worden.    

Friedmans Anwalt Eckart Hild sagte in Frankfurt nach einem Gespräch mit der ermittelnden Berliner Staatsanwaltschaft, die Verteidigungslinie werde festgelegt, nachdem er die Akten gesehen habe. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Berlin hat sich Friedman ihr gegenüber bislang nicht geäußert. Derzeit würden die sichergestellten, fast leeren Päckchen untersucht. Ergebnisse würden nicht vor Montag vorliegen, sagte Sprecher Retzlaff der dpa. Die Untersuchung der Haare dauere einige Zeit.    

Nach seinen Angaben wurden die Päckchen von Drogenspürhunden entdeckt. Ob sie im Büro oder der Wohnung des TV-Moderators gefunden wurden, blieb zunächst unklar. Laut Retzlaff hatte sich der Anfangsverdacht gegen Friedman in einem anderen Ermittlungsverfahren ergeben, in dem er aber nicht Beschuldigter ist. Nicht äußern wollte sich Retzlaff dazu, ob es dabei um einen ukrainisch-polnischen Schleuserring geht, der in Deutschland Frauen zur Prostitution gezwungen haben soll.    

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, bezeichnete die Ermittlungen gegen seinen Stellvertreter unterdessen als dessen "Privatangelegenheit". Sie stünden "nicht im geringsten Zusammenhang" mit den Funktionen Friedmans im Zentralrat, sagte Spiegel in Düsseldorf der dpa. "Michel Friedman genießt mein volles Vertrauen." Der Zentralrat unterstrich, dass für Friedman wie für jeden anderen Beschuldigten bis zum Nachweis einer Schuld die Unschuldsvermutung gelte.    

Ähnlich argumentierte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Salomon Korn. "In dem Verfahren wird sich zeigen, wie weit wir in Deutschland von der Normalität entfernt sind, ob Michel Friedman so behandelt wird wie jeder andere auch", sagte Korn der dpa. Er rechnet damit, dass nun "alte Rechnungen beglichen" würden und vorschnell Häme über den Zentralratsvize ausgeschüttet werde.

Der hr erklärte, Friedman habe den Intendanten Helmut Reitze gebeten, ihn bis zur Klärung der Vorwürfe von seinen Aufgaben als Moderator zu entbinden. Reitze habe dem Wunsch zugestimmt. Die noch vor der Sommerpause geplanten drei Ausgaben von "Vorsicht! Friedman" im hr-Fernsehen sowie eine Folge in der ARD entfielen. "Damit ist aber noch keine Vorentscheidung über die Zukunft der beiden Sendereihen gefallen", betonte Reitze. Zuvor hatte er erklärt, erst dann über eine weitere Zusammenarbeit zu entscheiden, wenn der Drogenverdacht gegen den Talk-Master geklärt ist und er selbst Stellung genommen hat. "Vorverurteilungen darf es nicht geben, auch nicht gegenüber einem Prominenten und immer streitbaren Moderator wie Michel Friedman." Friedman hatte am Mittwochabend seine Talk-Show "Friedman" in der ARD bestritten, ohne sich zu den Vorwürfen zu äußern.


 
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