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Bank in Allianz mit starken Partner drängen: Druck auf Commerzbank wächst - offene Konfrontation mit CoBra

zuletzt aktualisiert: 26.05.2000 - 16:01

Frankfurt/Main (dpa). Der Kampf der Commerzbank um ihre Unabhängigkeit geht in eine entscheidende Phase. Erstmals hat die bislang nur Insidern bekannte Beteiligungsgesellschaft CoBra offen kund getan, was sie mit ihrem 17-Prozent-Anteil an der Commerzbank im Schilde führt: "Eine Allianz der Bank mit einem starken Partner" kündigte der CoBra-Geschäftsführer Hansgeorg Hofmann am Freitag an.

"Unser Paket wird der Schlüssel dazu sein", sagte der frühere Dresdner-Topmanager auf der Hauptversammlung der Commerzbank AG in Frankfurt. Zwar habe CoBra ihre Beteiligung noch niemandem zum Kauf angeboten. Von den Weltfinanzmärkten seien aber schon "Signale für sehr interessante Allianzen mit der Commerzbank" gekommen.

Selbst der Commerzbank-Vorstandssprecher Martin Kohlhaussen muss trotz vorheriger Gespräche mit Hofmann von dessen Offenheit überrascht worden sein. In einer spontanen Entgegnung hielt er dem CoBra-Chef vor, er erkläre einerseits, keinen Einfluss auf die Geschäftspolitik der Bank nehmen zu wollen. "Aber aus Ihren Worten entnehme ich auch, dass Sie die Bank in eine Allianz mit einem starken Partner drängen oder treiben wollen. Das halte ich für einen Widerspruch", monierte der Chef der viertgrößten deutschen Privatbank. Ausführungen Hofmanns über den angeblich unterschätzten Wert der Commerzbank-Beteiligungen interpretierte Kohlhaussen als Beleg für Pläne zu einer möglichen "Zerschlagung der Commerzbank, wie sie in der Presse kolportiert werden".

Zahlreiche verunsicherte Commerzbank-Aktionäre, die seit Jahren ein Übernahmegerücht nach dem anderen vernehmen, werteten den Schlagabtausch als beidseitige Kriegserklärung. Der Aktionärssprecher Ulrich Steinharter empfahl Kohlhaussen, sofort jeden Gesprächskontakt mit CoBra abzubrechen. Rudolf Heinz, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), hält CoBra gar für so bedrohlich wie die gleichnamige Giftschlange: "CoBra ist etwas, was nach Verderbnis und Tod riecht, aber nicht nach Problemlösungen."

In seiner Rede an die Aktionäre hatte Kohlhaussen eingangs noch Gelassenheit demonstriert - und den Medien große Mitverantwortung für die "Eskalation von Fantasien" seit Mitte April zugeschrieben. In Gesprächen mit der niederländischen CoBra-Mutter Rebon habe man sich versichert, dass die Investorengruppe ihren Commerzbank-Anteil lediglich als Finanzinvestment betrachte. Überdies unterstütze Rebon den Kurs der Bank. Hofmann machte unterdessen aber deutlich, dass sein Einfluss sehr schnell enorm wachsen könne. Seit Mitte April habe CoBra Angebote, "unseren Anteil auf über 30 Prozent zu erhöhen".

Am Bankenplatz Frankfurt wird bereits länger spekuliert, dass Rebon/CoBra seit geraumer Zeit Commerzbank-Aktien aufkauft. Aktionäre wollten auf der Hauptversammlung sogar Äußerungen von Rebon- Vertretern gehört haben, nach denen diese bereits "am Ziel" seien. Nun scheint sich die Vermutung zu bestätigen, dass die Investoren ein reizvolles Paket schnüren, um es anschließend mit einem lukrativen Aufschlag wieder abzustoßen.

Unklar ist allerdings noch, ob CoBra tatsächlich schon einen heißen Interessenten an der Hand hat und wer dies sein könnte. In der Vergangenheit gab es kaum ein renommiertes Bankhaus, das nicht als möglicher Käufer auf dem Börsenparkett gehandelt wurde. Aus Kontakten zu europäischen und amerikanischen Bankkollegen will Kohlhaussen wissen, dass bei der Konkurrenz "keine Paketbildung in Commerzbank- Aktien stattfindet".

In der Frankfurter Commerzbank-Zentrale macht man sich unterdessen mit einer anderen Variante Mut: "Die könnten sich verspekuliert haben", heißt es dort angesichts von Vermutungen, CoBra habe einen nennenswerten Teil seiner Commerzbank-Papiere mit geliehenem Geld gekauft. "Jetzt versuchen sie, das wie Sauerbier loszuwerden - eigentlich müssten die viel nervöser sein", wird frohlockt.

Quelle: RPO Archiv

 
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