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Düsseldorf
Salafisten werben bei Flüchtlingen

Fakten zum Salafismus in Deutschland
Fakten zum Salafismus in Deutschland FOTO: afp, FETHI BELAID
Düsseldorf. Der Präsident des Verfassungsschutzes warnt vor Rekrutierungsversuchen der Islamisten in Notunterkünften. In Düsseldorf konnten gestern in zwei Fällen Salafisten daran gehindert werden.

Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes haben Salafisten damit begonnen, die Vielzahl von Sunniten unter den Flüchtlingen zu umwerben, weil sie diese als "Nährboden" für islamistisches Gedankengut ansehen. "Wir beobachten, dass Salafisten als Wohltäter und Helfer auftreten, gezielt den Kontakt suchen, in einschlägige Moscheen einladen, um Flüchtlinge für ihre Sache zu rekrutieren", sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, unserer Redaktion.

In zwei großen Düsseldorfer Unterkünften in den Stadtteilen Derendorf und Unterrath versuchten Salafisten gestern nach Informationen unserer Redaktion, Kontakt zu Flüchtlingen aufzubauen. Jeweils zwei Männer, weiß gewandet, mit kahlrasierten Schädeln und schwarzen Bärten, hatten 20 Laibe Brot für die Erwachsenen und Süßigkeiten für die Kinder dabei. Sie wollten von den Betreuungskräften des Roten Kreuzes erfahren, wie viele Muslime sich in den Unterkünften aufhielten, und kündigten an, für sie in den Zelten aus dem Koran vorzulesen. Die Helfer lehnten dies ab und alarmierten die Behörden. Inzwischen ist der Staatsschutz im Düsseldorfer Polizeipräsidium eingeschaltet.

Verfassungsschutz-Chef Maaßen trat allerdings Befürchtungen entgegen, wonach der "Islamische Staat" Terrorkommandos als Flüchtlinge getarnt nach Deutschland zu schicken versucht. Verfassungsschutz und BND seien vielen Hinweisen nachgegangen, hätten aber keine Anzeichen dafür finden können. Für Terroristen seien die Flüchtlingsrouten schlicht zu gefährlich, weil sie in Lebensgefahr geraten oder auffliegen könnten.

Hintergrund: Islamisten-Netzwerke in Deutschland

Die Flüchtlingskrise entwickelt sich zu einer immer größeren Belastungsprobe für Europa. Nach Deutschland und Österreich kündigte auch Slowenien die Wiedereinführung von Grenzkontrollen an. Auch Kroatien will die Grenzen für durchreisende Flüchtlinge schließen. "Wir können keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen", erklärte Innenminister Ranko Ostojic. Die Staats- und Regierungschefs der EU kommen am nächsten Mittwoch zu einem Flüchtlings-Sondergipfel zusammen. Das teilte EU-Ratspräsident Donald Tusk mit. Während die Menschen immer neue Fluchtrouten suchen, nahm in Deutschland der erste Verantwortliche seinen Hut: Der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Manfred Schmidt, trat "aus persönlichen Gründen" zurück. Er war in die Kritik geraten, nachdem sich bei seiner Behörde ein enormer Stau unbearbeiteter Asylanträgen gebildet hatte. Über einen Nachfolger wurde zunächst nichts bekannt.

Als Drehscheibe für die Verteilung von Flüchtlingen soll Köln an die Stelle von Dortmund treten und sich im täglichen Wechsel mit Düsseldorf um die in Sonderzügen aus Bayern anreisenden Flüchtlinge kümmern. NRW unterhält seit dem 5. September zwei Drehscheiben in Dortmund und Düsseldorf, von wo aus die Menschen zu Unterkünften transportiert werden. Die Einrichtung in Dortmund soll künftig mit einem Ausbau um rund 1000 Plätze als große Erstaufnahmeeinrichtung betrieben werden.

Angesichts der stark steigenden Ausgaben für die Flüchtlingsunterbringung haben die Linken Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) davor gewarnt, an anderen Stellen zu kürzen. "Die Schuldenbremse muss weg", sagte Linken-Chef Bernd Riexinger unserer Redaktion. Unter dem "Zwang zur schwarzen Null" könnten die Kommunen nicht für eine geordnete Aufnahme und Integration sorgen.

Das ist der Salafist Pierre Vogel FOTO: dpa, Marius Becker
Quelle: RP
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