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Unternehmen zahlten auf Sonderkonto ein
Franz Josef Strauß soll abkassiert haben

Das Leben des Franz Josef Strauß
Das Leben des Franz Josef Strauß FOTO: AP
Düsseldorf. Mir san mir", ist in Bayern mehr als ein geflügeltes Wort. Die Bewohner des Freistaats bringen damit ein gesundes Selbstbewusstsein zum Ausdruck, das sich nicht in jeder Ecke der Republik findet. Von Martin Bewerunge

Auch Franz Josef Strauß (1915 - 1988), ein Bayer wie aus dem Bilderbuch, stand nie im Verdacht, an ihm hätte jemals ein Selbstzweifel genagt. Im Gegenteil: Je länger sein Politikerleben dauerte (und es dauerte lang), desto häufiger konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dem damaligen CSU-Parteivorsitzenden und einstigen bayerischen Ministerpräsidenten hafte eine gewisse Selbstherrlichkeit an.

Als Verteidigungsminister ließ er 1961 die Redaktion des "Spiegel" besetzen und Redakteure verhaften, weil diese einen kritischen Artikel über die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr geschrieben hatten. Als CSU-Chef war er 1976 treibende Kraft hinter dem gescheiterten Vorhaben, seine Partei bundesweit auszudehnen und die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU aufzukündigen.

Im "deutschen Herbst" 1977 fand er die Idee nicht abwegig, RAF-Terroristen als Vergeltung für getötete Geiseln ebenfalls zu erschießen. Seine Frau Marianne soll Zugriff auf bei der CSU geführte Sonderkonten gehabt haben.

Nun schreibt der "Spiegel", Strauß habe jahrelang mittels einer Briefkastenfirma Geld von deutschen Firmen ohne konkrete Gegenleistungen erhalten. Allein in den Jahren 1964 bis 1968 hätten sich die Zahlungen von Unternehmen wie BMW, Bertelsmann, Daimler-Benz, Dornier oder Firmen des Medien-Moguls Leo Kirch auf insgesamt 490.892 D-Mark summiert. Ein Bundesminister verdiente seinerzeit rund 90 000 D-Mark im Jahr.

Laut "Spiegel" waren die Verträge, die die Briefkastenfirma mit ihren solventen Kunden abschloss, vage gefasst. Es soll sich um "volks- und betriebswirtschaftliche Beratungen aller Art" gehandelt haben.

Quelle: RP
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