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Vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags: Ehepaar Ehlerding weist Korruptions-Verdacht zurück

zuletzt aktualisiert: 29.03.2001 - 14:40

Berlin (rpo). Das Hamburger Kaufmanns-Ehepaar Ehlerding hat jeden Verdacht zurückgewiesen, dass zwischen ihrer Millionen-Spende an die CDU und dem Kauf der Eisenbahner-Wohnungen des Bundes ein Zusammenhang besteht.

Die Vernehmung hat am Donnerstag im Bundestags-Untersuchungsausschuss zu völlig unerwarteten Kontroversen geführt.

Die überraschend vor ihrem Mann vernommene Ingrid Ehlerding wies entsprechend den früheren Aussagen ihres Mannes entschieden jeden Verdacht zurück, dass zwischen ihrer Millionen-Spende an die CDU und dem Verkauf der Eisenbahner-Wohnungen im Jahr 1998 ein Zusammenhang besteht. Hintergrund für den Korruptionsverdacht ist, dass von Ehlerding beherrschte Unternehmen WCM von der Verkaufsentscheidung der Regierung von Alt-Kanzler Helmut Kohl (CDU) stark profitiert hätte.

Ihr Mann und sie hätten ein "völlig reines Gewissen" und auch nie die Spende mit dem Geschäft in Verbindung gebracht, betonte die Zeugin. Bis auf die CDU monierten aber die Vertreter aller anderen Parteien, dass Ingrid Ehlerding zunächst eine vorbereitete Erklärung ihres Mannes verlesen hatte, ohne dass klar geworden sei, ob sie tatsächlich selbst die mitgeteilten Tatsachen kenne.

Grund für die Verlesung war, dass die Ausschussmehrheit entgegen der ursprünglichen Ankündigung darauf bestanden hatte, Ingrid Ehlerding vor ihrem Ehemann zu vernehmen. Ausschussmitglieder ließen durchblicken, dass damit die Vernehmungsstrategie des Ehepaars durchkreuzt werden sollte.

Nach Beratung mit ihren Anwälten verlas dann Frau Ehlerding die für ihren Mann vorbereitete Erklärung und machte sich diese zu eigen, in dem sie etwa die Passage wie "Meine Frau und ich" in "Mein Mann und ich" mündlich änderte. Später trug sie dann noch eine eigene ebenfalls vorbereitete Erklärung vor, aus der der Schluss gezogen werden konnte, dass sie persönlich viel weniger von den Umständen der Spenden-Zahlung aus direktem eigenem Erleben wusste, als es zunächst nach der ersten Erklärung den Anschein zu haben schein.

Der SPD-Obmann Frank Hofmann sprach davon, dass der Ausschuss lediglich "eine Vorlesung gehört hat". Max Stadler von der FDP meinte, durch das Verhalten von Frau Ehlerding sei der "Sinn des Zeugenberichts" konterkariert worden. Die PDS-Obfrau Evelyn Kenzler sagte, die Grenze zwischen eigener Wahrnehmung und fremden Wissen sei "völlig verschwommen. CDU-Obmann Andreas Schmidt sah hingegen nach der Aussage von Frau Ehlerding den Verdacht der Bestechlichkeit der alten Regierung als widerlegt an.

Frau Ehlerding hatte betont, es habe 1998 keine Gespräche mit CDU- Vertretern gegeben, bei denen von Seiten ihres Mannes und ihr eine Geldzahlung avisiert worden sei, wenn der Verkauf zu Stande komme. Die Firma WCM, an der das Ehepaar Ehlerding die Mehrheit hält, hätte nach der ursprünglichen Verkaufsentscheidung über die 112 600 Eisenbahnerwohnungen stark profitiert und 30 000 von ihnen erworben.

Ingrid Ehlerding betonte, ihr Mann und sie hätten mit ihrer Spende über insgesamt 5,9 Millionen Mark lediglich "einen eignen Beitrag" leisten wollen, dass Kohl weiter an der Regierung bleibe. In den 16 Jahren seiner Regierung sei es ihnen wirtschaftlich und steuerlich gut gegangen. Fünf Millionen Mark hätten für eine Anzeigenkampagne zu Gunsten von Kohl kurz vor der Bundestagswahl gedient. 900 000 Mark flossen an den Landesverband Mecklenburg-Vorpommern.

In der Verlesung der Erklärung, die ursprünglich von ihrem Mann vorgetragen werden sollte, hob Frau Ehlerding auch hervor, dass ihr Mann und sie über die späteren "Verschleierungsversuche" in der CDU- Zentrale im Hinblick auf die Spende nichts gewusst hätten. Sie hätte sich bei Kenntnis dagegen auch "verwahrt". Damit spielte sie darauf an, dass die fünf Millionen Mark, die speziell Kohls Wahlkampf zu Gute kommen sollten, für wenige Tage auf einem CDU-Schwarzgeld-Konto gelangt waren.

Quelle: RPO Archiv

 
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