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Ein Papst mit Sendungsbewusstsein

Wer die neue Enzyklika von Papst Franziskus nur als christlich stimulierte Öko-Schrift verbucht, unterschätzt das Sendungsbewusstsein des Argentiniers. Franziskus will mit seinen dramatischen Überlegungen (wie er es nennt) über die bedrohte Schöpfung zugleich die Lebensführung des modernen Menschen befragen. Und vieles daran ist wahr und richtig, die wesentlichen Gründe für den Klimawandel in unserem irrsinnigen Energiebedarf und absurden Ressourcenverbrauch zu finden, auch in einer Lebensführung, die im Konsum den letzten göttlichen Funken in unserer Welt erblickt. Die drohende ökologische Katastrophe hat viele Ursachen, viele Bezüge und Zusammenhänge - und es ist kraftvoll, dies parallel zur Gegenwart und ohne Gewissheit, im Besitz der letzten Wahrheit zu sein, prominent anzuprangern. Doch der Enzyklika wohnt auch ein starker antimodernistischer Impuls inne, ein Fremdeln mit der westlich aufgeklärten Welt. Mit Papst Franziskus ist die katholische Kirche nicht nur weltoffener geworden, sie hat sich auch von Europa abgesetzt; wo ohnehin nur noch 24 Prozent der Katholiken leben. Der Papst zum Anfassen könnte das Gottesvolk noch zum Staunen bringen. Von Lothar Schröder
Quelle: RP
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