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Indien
Eine Hütte im Slum kostet bis zu 40.000 Euro

Mumbai. Rabiate Slumlords kontrollieren den Wohnungsmarkt. Von Christine Möllhoff

Nutzlos seien die Politiker, schimpft Vimla. Vor jeder Wahl würden sie das Blaue vom Himmel versprechen. Aber nichts ändere sich. "Das Wasser fließt nur eine Stunde am Tag, und Dutzende Haushalte teilen sich die einzige Wasserleitung in unserer Gasse." Auch die Abwasserrinnsale seien völlig verstopft. Und überall liege Abfall herum, weil es keine Müllabfuhr gebe.

Die 35-Jährige lebt mit Mann und drei Kindern in einem Slum am Rande von Indiens Finanzmetropole Mumbai. Die Kinder schlafen auf einer Liege, die Eltern auf Matten auf dem Zementboden. Vor zwei Jahren haben sie ihr Zuhause von einem Slumlord "gekauft": Für 400.000 Rupien, umgerechnet 5300 Euro - ein Schnäppchen. In besseren Slums kostet laut indischen Medien eine Ein-Raum-Hütte schon mal das Siebenfache.

863 Millionen Menschen wohnen nach Angaben der UN weltweit in Slums, allein in Indien 65 Millionen, in Mumbai sind es 40 bis 50 Prozent der 19 Millionen Einwohner. Nur zehn bis 15 Prozent der Einwohner leben in regulären Wohnungen.

Zu Hunderttausenden strömen jedes Jahr Menschen in Indiens Städte, um Armut und Hunger auf dem Lande zu entfliehen. Doch die Städte bersten. Wohnraum ist teuer, Land knapp, die Stadtplaner scheinen überfordert. So stranden die Armutsmigranten auf der Straße oder in Slums. Die Behausungen bestehen aus Ziegelsteinen, Zement, Holz, Lehm, Wellblech oder Eisen. Manchmal werden weitere Stockwerke errichtet, um mehr Platz zu schaffen. Die meisten Slum-Bewohner schuften als Tagelöhner, Anstreicher, Näher, Müllsammler, Handwerker, Wäscher, als Putzfrau oder Kindermädchen. Das Geld reicht nicht für eine reguläre Wohnung, aber für ein Zuhause im Slum. In der Stadt hat sich ein regelrechter Schattenmarkt etabliert, der von rabiaten Slumlords beherrscht wird

Vimlas Zuhause war so günstig, weil es in einem schlechten Abschnitt liegt und eine Bruchbude war. Zwei Wände bestanden aus Wellblech; das Dach war undicht. Inzwischen sind alle Wände aus Ziegelsteinen, und das Dach hält dem Regen weitgehend stand. Der Ausbau hat die Familie weitere 150.000 Rupien, fast 2000 Euro, gekostet.

Quelle: RP
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