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Skurriles aus der Alpenrepublik
Eine Männerabteilung im Frauenministerium

Wien (dpa). Österreichs Frauenminister Herbert Haupt hat mit den Vorwürfen, er verstehe gar nichts von den einschlägigen Problemen, zu leben gelernt. Dass der Politiker der rechtspopulistischen Freiheitlichen (FPÖ) aber jetzt sogar eine Männerabteilung in seinem Frauenministerium einrichten will, hat ihm jedoch im ganzen Land nur Hohn und Spott eingetragen.

Und da die neue Männersektion zeitgleich mit dem Höhepunkt des Karnevals noch dazu die Bezeichnung VI/6 erhielt, hielten fast alle den Vorschlag für einen Faschingsscherz. Der 53-Jährige habe "bewiesen, welch prächtiger Faschingsprinz in ihm steckt", unkte die konservative Zeitung "Die Presse" am Dienstag in Wien über die "Abteilung 6, Sektion römisch Sex".

Doch als selbst die Vizekanzlerin und FPÖ-Chefin, Susanne Riess- Passer, diesen Schritt lobte, war klar: Die neue Abteilung wird am 1. März Wirklichkeit. Schließlich werde damit "immerhin die Hälfte der Bevölkerung, nämlich Männer" berücksichtigt, sagte die Vizekanzlerin, deren eigene Partei vor vier Jahren noch die Abschaffung des Frauenministeriums verlangt hatte. Damals wollte die Frauenministerin Helga Konrad von den Sozialdemokraten (SPÖ) gesetzlich festlegen, dass Ehemänner genau 50 Prozent der Hausarbeit übernehmen müssen. Die männliche Verweigerung dieser Vorschrift unter dem Slogan "Ganze Männer machen halbe/halbe" sollte ein Scheidungsgrund werden.

Die neue Männerabteilung des Frauenministers versetzte die SPÖ- Frauen in helle Aufregung. Es sei "blanker Zynismus", das "Frauenministerium abzuschaffen", um es durch ein "Männerressort" zu ersetzten. "Haupt richtet eine Abteilung für Gebärneid und Ödipuskomplex ein", schimpften die oppositionellen Grünen. Die "Kronenzeitung" als größtes Blatt im Lande verlangte am Dienstag "Also Asche aufs Haupt streuen, Herr Minister Haupt". Demgegenüber hatte dieser seine neue Abteilung mit "Diskriminierungen" der Männer wie "etwa Mobbing am Arbeitsplatz oder Probleme allein erziehender Väter" gerechtfertigt.

Nicht ohne Pikanterie wird von den Haupt-Kritikern daran erinnert, dass seiner FPÖ nachgesagt wird, mit einem eher konservativen Familienbild die "Frauen wieder an den Herd" zurückbringen zu wollen. Der Leiter der neuen Männerabteilung, Johannes Berchtold (FPÖ), kann seine Aufgaben noch nicht so richtig beschreiben. Doch ist er sicher, dass "die Frauenemanzipation durch ihre Erfolge die Beschäftigung mit Männern notwendig gemacht hat". Berchtold selbst spiele wegen seiner beruflichen Verpflichtungen als "Wochenendpapa" eine "eher traditionelle Männerrolle", berichteten die Medien.

(RPO Archiv)
 
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