Bruder erhebt Machtanspruch: Eine Million Syrer nahmen Abschied von Assad
zuletzt aktualisiert: 13.06.2000 - 16:09Damaskus (dpa). Knapp eine Million Syrer sowie Könige, Emire und Präsidenten haben am Dienstag dem verstorbenen syrischen Staatschef Hafis el Assad die letzte Ehre erwiesen. An dem mehrstündigen Staatsbegräbnis in der syrischen Hauptstadt Damaskus nahm auch Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) teil, der mit Assads Sohn und wahrscheinlichem Nachfolger, Baschar, ein kurzes Gespräch führte.
Nach dem Abfeuern von 21 Schuss Salut war der Trauerzug, angeführt von dem 34-jährigen Baschar, über zwei Stunden lang durch die syrische Hauptstadt Damaskus gezogen. Assads Sarg, der mit der schwarz-weiß-roten Nationalflagge geschmückt war, ist in Libanon hergestellt und nach Berichten aus Beirut mit einem speziellen Kühlsystem ausgestattet worden.
Ein Großaufgebot von Sicherheitskräften schützte den Trauerzug vor einer teilweise hysterisch wirkenden Menge am Straßenrand. Vielfach brachen Menschen zusammen. In Sprechchören hieß es: «Gott ist groß, und Assad ist sein Liebling.» (Foto: die Söhne Assads, rechts der mögliche Nachfolger Baschar)
Im Volkspalast, in dem Assad früher ausländische Besucher empfing, kondolierten fünf Stunden lang arabische Könige und Staatschefs sowie westliche Spitzenpolitiker. Zu den Trauergästen gehörten unter anderem die Präsidenten Ägyptens, Jemens, Algeriens, Irans sowie König Abdullah von Jordanien, Kronprinz Abdallah aus Saudi-Arabien, der Emir von Kuwait und Palästinenser-Präsident Jassir Arafat.
Arafat, dessen Verhältnis zu Assad über Jahrzehnte von Feindschaft und Misstrauen geprägt war, wurde von keinem syrischen Regierungsmitglied empfangen. Nach vier Küssen auf die Stirn sprach Assads Sohn Baschar dann doch noch überraschend kurze Zeit mit Arafat.
Als einziger westlicher Staatschef nahm Frankreichs Präsident Jacques Chirac an der Zeremonie teil. Aus den USA und Großbritannien reisten die Außenminister Madeleine Albright und Robin Cook an.
Nach dem öffentlichen Abschied in Damaskus wurde der Leichnam Assads in das Heimatdorf Kardaha, 350 Kilometer nördlich von Damaskus, überführt. Dort soll er in einem Mausoleum neben seinem 1994 verstorbenen Sohn Basil die letzte Ruhestätte finden. Tausende von Menschen, die wie Assad zur religiösen Minderheit der Alawiten gehören, säumten über Stunden die knapp 30 Kilometer lange Straße von Hafenstadt Lattakia nach Kardaha.
Assad war kurz vor seinem 70. Geburtstag und dem 30. Jahrestag seiner Amtsübernahme am Samstag gestorben. Nachfolger wird nach der 40-tägigen Staatstrauer mit großer Wahrscheinlichkeit der 34-jährige Sohn Baschar. Das Parlament hatte zuvor per Verfassungsänderung das Mindestalter eines syrischen Präsidenten von 40 auf 34 Jahre herabgesetzt. Auch die regierende Baath-Partei sowie die Armeeführung haben Baschar ihre Unterstützung zugesichert.
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