UN-Weltgipfel in Johannesburg: Eklat bei Powell-Rede
zuletzt aktualisiert: 04.09.2002 - 15:51Johannesburg (rpo). Beim UN-Weltgipfel in Johannesburg ist es es bei der Rede von US-Außenminister Colin Powell zu einem Eklat gekommen. Von den Delegierten wurde Powell ausgepfiffen. Demonstranten wurden abgeführt.
Unter heftigen Protestrufen hat US-Außenminister Colin Powell am Abschlusstag des Weltgipfels von Johannesburg die Umweltpolitik der USA verteidigt. Die Vereinigten Staaten seien zu konkreten Maßnahmen zum Klimaschutz entschlossen, sagte Powell am Mittwoch. Umweltschützer unterbrachen seine Ansprache immer wieder mit dem Zwischenruf wie "Schande über Bush". Bundeskanzler Gerhard Schröder und Umweltminister Jürgen Trittin bezeichneten die Kritik von Umweltgruppen an der Johannesburger Konferenz als nicht berechtigt.
Die US-Regierung wolle sich mit konkreten Schritten für eine bessere Zukunft für die Armen in der Welt einsetzen, sagte Powell. Einige Umweltschützer zeigten Transparente mit Aufschriften wie "Von der Regierung betrogen". 13 Delegierte amerikanischer und australischer Umweltschutzorganisationen wurden des Saales verwiesen. Der südafrikanische Außenminister und Konferenzvorsitzende Nkosazana Dlamini-Zuma verurteilte die Störungen als völlig inakzeptabel.
Zuvor hatten bereits mehrere Umweltschutz- und Bürgerrechtsgruppen aus Protest den Gipfel verlassen. Sie warfen den Delegierten vor, ihre Ziele nicht erreicht und nur symbolische Übereinkunft bei Randaspekten erzielt zu haben. "Die Welt wird im Stich gelassen", sagte ein Sprecher der australischen Grünen.
Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnete den Gipfel als Enttäuschung. Anstatt eine historische Chance zu nutzen, hätten die Delegierten die Umweltinteressen verraten, sagte die BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt am Mittwoch in Berlin. Sie sprach von einem "Gipfel der nachhaltigen Enttäuschung".
Fischer spricht von Fortschritten
Trittin sagte, es sei gelungen, in bestimmten Bereichen neue Ziele zu vereinbaren. Er verwies dazu auf die Vereinbarungen, mit denen der Verringerung der Artenvielfalt und der Vernichtung der Fischbestände Einhalt geboten werden solle. Auch sei es gelungen, die Frage des Einsatzes erneuerbarer Energien in Entwicklungsländern auf die Tagesordnung zu setzen. Daran solle ein internationaler Kongress in Bonn anknüpfen. Schröder räumte ein, dass in Johannesburg "bei einigen Themen nicht die Erfolge eingetreten sind, die wir uns erhofft" hätten.
Bundesaußenminister Joschka Fischer bezeichnete den Gipfel indes als Fortschritt. Dies gelte unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes und der erneuerbaren Energien, auch wenn man sich verbindliche Beschlüsse gewünscht hätte, sagte er laut "Nürnberger Nachrichten" (Mittwochausgabe) in einem Interview. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel beurteilte dem Blatt zufolge die Umweltpolitik der rot-grünen Bundesregierung "überraschend positiv".
Die Europäische Union sprach sich unterdessen für ein "Jahrzehnt des Handelns" aus. Der Weltgipfel habe seine Mission erfüllt; nun sei es an der Zeit für eine Umsetzung der Ziele, sagte der dänische Ministerpräsident und derzeitigige EU-Ratspräsident Anders Fogh Rasmussen.
Am Dienstag hatten Staats- und Regierungschefs aus aller Welt riefen die USA erneut aufgerufen, das Kyoto-Protokoll ebenfalls zu ratifizieren. US-Präsident George W. Bush hat den von seinem Vorgänger Bill Clinton unterzeichneten, vom Senat aber nicht ratifizierten Vertrag aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt.
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