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Bundesregierung und Elektro-Autos
Wie ein schlechter Witz ohne Folgen

2013/14: Diese Elektroautos gibt es
2013/14: Diese Elektroautos gibt es FOTO: BMW
Meinung | Düsseldorf. Die Bundesregierung hatte sich im Koalitionsvertrag 2013 ein Ziel gesetzt: Eine Million Elektroautos sollen bis 2020 auf deutschen Straßen unterwegs sein. Ein Blick auf die derzeitigen Verkaufszahlen lässt diese Marke jedoch aussehen wie einen schlechten Witz. Dabei unterläuft die Bundesregierung mit ihrem Elektro-Flop auch noch die eigenen Klimaziele.  Von Philipp Jacobs

Schon auf dem G7-Gipfel vergangene Woche haben sich die Länderchefs der wichtigsten Industrienationen auf eine Welt ohne die Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas geeinigt. Bis zum Jahr 2100 soll die vollständige Energiegewinnung grün sein. Ohne die fossilen Brennstoffe wird elektrischer Strom allerdings umso wichtiger. Insbesondere beim Antrieb von Autos. Denn rund 28 Prozent unseres gesamten Energieverbrauchs entfällt auf den Verkehrssektor. Auf der nationalen Konferenz "Elektromobilität", die heute beginnt, wollen Industrie und Politik daher eine Zwischenbilanz ihrer Arbeit ziehen. Das Ergebnis dürfte ernüchternd ausfallen.

Im März tourten gerade einmal 24.000 Elektroautos durch Deutschland. Würde die Bundesregierung ihr Ziel tatsächlich umsetzen, müsste sie innerhalb der nächsten fünf Jahre 976.000 weitere solcher Autos auf die Straßen bringen. Wie die Politik das anstellen möchte, bleibt ein Rätsel.

Derzeit gibt es der Bundesregierung zufolge in Deutschland etwa 20 E-Auto-Modelle. Bis Jahresende soll es auf dem deutschen Markt 30 Modelle geben. Doch einen Kaufanreiz für die Technologie gibt es bisher nicht. Im Gegenteil: Elektro- oder Hybrid-Fahrzeuge kosten derzeit nicht viel weniger als SUVs, weil man für die teuren Lithium-Ionen-Batterien ordentlich draufzahlt. Ohnehin beweist der SUV-Boom, dass sich die Autobauer auf ganz andere Modelle versteift haben. Es ist ihnen auch nicht zu verübeln, sie orientieren sich am Interesse ihrer Kunden. Und wenn diese keine Vorteile für den Kauf eines Elektroautos sehen, warum sollte sie dann eins kaufen? Der reine Umweltgedanke spielt hier leider eine geringere Rolle.

In Skandinavien ist man in diesem Bereich deutlich weiter. Käufer von Elektroautos sind beispielsweise in Norwegen vollständig von der Kfz-Steuer befreit. Auch zahlen sie für ihr Gefährt nur den Nettopreis. Die City-Maut fällt weg, es gibt keine Parkgebühren, die öffentlichen Ladestationen im Land sind selbstverständlich kostenfrei. Zudem dürfen Elektroautos die Busspuren in Großstädten wie Oslo mitbenutzen (worüber sich jedoch streiten lässt).

Für Deutschland würde sich ein Blick in den Norden lohnen, denn ohne Kaufanreize werden die Autobauer auch künftig auf ihren Elektroautos sitzen bleiben – und die Klimaziele rücken in weite Ferne.

Quelle: RP
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