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Wegen mangelnder Deutschkenntnisse: Empörung über Transplantations- Entscheidung gegen Türkin

zuletzt aktualisiert: 21.08.2000 - 20:07

Frankfurt/Main (AP). Mit Empörung haben Politiker und Ärzte auf die die Entscheidung der Klinik Bad Oeynhausen reagiert, einer Türkin wegen fehlender Deutschkenntnisse die Aufnahme in die Warteliste für Herztransplantationen zu verweigern.

Die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Birgit Fischer zeigte sich am Montag entsetzt. Sie erwarte von einer Klinik, dass sie eine Frau in einer solchen Situation nicht alleine lasse, sagte die SPD-Politikerin. Der Rat der türkischen Staatsbürger in Deutschland sprach von einem Skandal. Auch andere Transplantationsmediziner reagierten mit Verwunderung auf die Entscheidung.

Der Direktor des nordrhein-westfälischen Herzzentrums Bad Oeynhausen, Reiner Körfer, verteidigte dagegen das Vorgehen. Die Ärzte hatten der seit ihrer Geburt herzkranken Fatma Elaldi mitgeteilt, angesichts "der sozialen Situation und der nicht vorhandenen Sprachkenntnisse" sei eine Indikation zur Herztransplantation nicht gegeben. Körfer sagte im WDR, die Behandlungsergebnisse seien bei solchen Patienten nun mal erheblich schlechter. Wegen des Organmangels könne ohnehin nur die Hälfte der Transplantations-Kandidaten auch tatsächlich operiert werden. Daher könnten nicht auch noch Patienten mit schlechten Prognosen auf die Warteliste gestellt werden.

Die Düsseldorfer Ministerin Fischer forderte die Klinik dagegen auf, nach praktikablen Lösungen zu suchen. Als Beispiele nannte sie die Einbindung Deutsch sprechender Familienangehöriger, die Vermittlung zu türkisch sprechenden Ärzten oder an ein anderes Krankenhaus. "Ich habe die Klinik nachdrücklich gebeten, dass zukünftig in einer vergleichbaren Situation praktische Lösungen gesucht werden", erklärte Fischer. Die SPD-Politikerin wies darauf hin, dass das Land Nordrhein-Westfalen "unter anderen Träger des Herzzentrums Oeynhausen" sei. Auch das schleswig-holsteinische Sozialministerium nannte den Vorgang in Bad Oeynhausen "höchst bedenklich und schlimm".

Der Vorsitzende des Rates der türkischen Staatsbürger, Yasar Bilgin, bezeichnete es als zynisch, eine lebensnotwendige Behandlung wegen sprachlicher Barrieren zu verweigern. Bilgin, der als Oberarzt am Uniklinikum Gießen inzwischen die Türkin betreut und ihr auch einen Platz auf der Warteliste des Herzzentrums Münster vermitteln konnte, forderte die Bundesregierung auf, mit gesetzlichen Regelungen solche Fälle für die Zukunft auszuschließen.

Informationsmaterial auf türkisch

Auch der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Transplantationsmedizin, Günter Kirste, bezeichnete die Argumentation der Ärzte als nicht stichhaltig. Zwar gebe es tatsächlich eine ganze Reihe von Patienten, bei denen auf Grund von Kommunikationsproblemen das transplantierte Organ wieder verloren gehe. Doch es gebe grundsätzlich die Möglichkeit, ausländischen Kranken einen Dolmetscher zur Seite stellen.

Das Deutsche Herzzentrum in Berlin wies darauf hin, dass es in dieser Klinik nicht nur türkische Ärzte und Pflegekräfte gebe, sondern auch das gesamte Informationsmaterial in türkischer Sprache angeboten werde. Der Chef der Kardiologie der Uniklinik Magdeburg, Helmut Klein, betonte ebenfalls, die Sprache könne nicht der einzige Grund sein, einem Kranken die Transplantation zu versagen.

Quelle: RPO Archiv

 
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