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Schon früh über Schwierigkeiten informiert: Enron-Pleite bringt Regierung Bush in Bedrängnis

zuletzt aktualisiert: 11.01.2002 - 15:31

Washington (rpo). Der spektakuläre Zusammenbruch des texanischen Energieriesen Enron bringt die Regierung von US-Präsident George W. Bush in Bedrängnis. Justizminister John Ashcroft gab am Donnerstag (Ortszeit) bekannt, dass er sich an einer Untersuchung seines eigenen Ministeriums über mögliche kriminelle Machenschaften des Managements nicht beteiligen werde, weil er im Wahlkampf knapp 60 000 Dollar (67 000 Euro) an Spenden von Enron erhalten hatte.

Zudem wurde bekannt, dass Enron-Chef Kenneth Lay entgegen anders lautenden früheren Erklärungen des Weißen Hauses schon Ende Oktober zwei Minister über die finanziellen Schwierigkeiten des Konzerns informiert hatte.

Das Justizministerium will feststellen, ob die Firma ihre Investoren hinterging, indem sie wichtige Informationen über ihre Finanzlage geheim hielt. Angestellte, Aktionäre und Behörden hatten bis wenige Tage vor dem Zusammenbruch des Unternehmens Anfang Dezember keine Ahnung von der prekäre Finanzlage. Tausende Mitarbeiter haben ihre gesamten Pensionsansprüche verloren, die in Unternehmensaktien angelegt waren.

Nach Presseberichten vom Freitag hatte Enron-Chef Lay Ende Oktober und Anfang November Finanzminister Paul O'Neill und Handelsminister Donald Evans angerufen und über die Probleme informiert. Das Weiße Haus hatte bisher immer erklärt, die Regierung habe von dem drohenden Zusammenbruch nichts gewusst. Präsident Bush bemühte sich am Donnerstag um Distanz zu Lay, der seine Wahlkampagne und die anderer Republikaner mit Millionen unterstützt hatte. Bush betonte, er habe "mit Mister Lay niemals die finanziellen Probleme des Unternehmens besprochen". Neben seinen Kontakten zu Bush hatte Lay auch enge Verbindungen zu Vizepräsident Dick Cheney, mit dem er die künftige Energiepolitik der USA besprach.

"Bedeutende" Anzahl von Unterlagen zerstört

Am Donnerstag wurde zudem bekannt, dass eine "bedeutende" Anzahl von Unterlagen aus den Wirtschaftsprüfungen des Unternehmens zerstört wurden. Das teilten die Buchprüfer des Unternehmens Arthur Andersen mit. Mitarbeiter von Arthur Andersen hätten eine "bedeutende, aber bislang nicht festgestellte" Anzahl von Dokumenten zerstört, darunter elektronische Dateien und Schriftverkehr, teilte die fünftgrößte amerikanische Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit.

Arthur Andersen ist bereits im Visier mehrerer Kongressausschüsse und des Justizministeriums, das eine Strafuntersuchung eingeleitet hat. Dabei geht es darum, ob Investoren und Aktionären wichtige Informationen über die Finanzlage des Unternehmens vorenthalten wurden.

Enron hatte im November völlig überraschend zugegeben, dass es seit 1997 rund 586 Millionen Dollar Gewinn zu viel ausgewiesen hatte. Im Dezember meldete das Unternehmen mit Schulden von mindestens 31 Milliarden Dollar Konkurs an.

Quelle: RPO Archiv

 
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