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Ankara
Erdogan will jetzt auch gegen Unternehmer vorgehen

Ankara. Ungeachtet der Kritik aus der EU will Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die "Säuberungen" in der Türkei nun auch auf die vom Putschversuch angeschlagene Wirtschaft ausdehnen. "Die bis jetzt gefasst wurden, sind nur die Spitze des Eisbergs", sagte Erdogan vor den Chefs von Handelskammern und Börsen. Die Gülen-Bewegung sei besonders stark im Wirtschaftssektor vertreten. Erdogan rief Geschäftsleute auf, Gülen-Anhänger zu melden. "Ich sage euch, das kann sogar euer Verwandter sein."

Erdogan macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Wer dessen Bewegung finanziere, trage so viel Schuld wie die Putschisten: "Wir werden kein Mitleid haben." Er fügte hinzu: "Wir haben noch keinen Punkt gesetzt, das ist erst das Komma."

In Europa wird derweil der Ton schärfer. Österreich will in der EU den Abbruch der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zur Diskussion stellen. "Wir wissen, dass die demokratischen Standards der Türkei bei Weitem nicht ausreichen, um einen Beitritt zu rechtfertigen", sagte Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) der Tageszeitung "Die Presse". Die Verhandlungen seien "nur noch diplomatische Fiktion", hatte er zuvor im ORF-Fernsehen gesagt. Bayern schloss sich der Forderung an. "Eine türkische EU-Mitgliedschaft kann überhaupt keine Option sein", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der Deutschen Presse-Agentur. Die EU hatte bisher nur deutlich gemacht, dass eine von Erdogan ins Gespräch gebrachte Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei einen Abbruch der Gespräche nach sich ziehen würde.

Quelle: RP
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