Ypsilanti-Telefonat: Ermittlungen gegen falschen Müntefering
zuletzt aktualisiert: 19.09.2008 - 16:29Hannover (RPO). Der fingierte Anruf eines Parodisten als Franz Müntefering bei der hessischen SPD-Chefin Andrea Ypsilanti hat ein Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft in Hannover leitete am Freitag ein Ermittlungsverfahren gegen den Stimmenimitator Jochen Krause ein.
Damit reagierte sie auf eine Strafanzeige der hessischen SPD. Gegen Krause werde wegen des Verdachts auf Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes ermittelt, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Thomas Klinge, am Freitag in Hannover.
Es bestehe der Verdacht, dass der für den niedersächsischen Radiosender ffn arbeitende Stimmenimitator sein Telefonat mit Ypsilanti ohne deren Zustimmung mitgeschnitten habe, sagte Klinge zur Begründung. Nach der entsprechenden Vorschrift des Strafgesetzbuches sei bereits die Aufnahme des nichtöffentlich gesprochenen Wortes eines anderen auf Tonträger strafbar. Im Zuge der Ermittlungen wolle die Staatsanwaltschaft den Stimmenimitator demnächst vernehmen.
Das Ermittlungsverfahren richte sich auch gegen unbekannte weitere Verdächtigte, die den Mitschnitt des Gesprächs zwischen Krause und Ypsilanti möglicherweise im Internet verbreitet hätten, sagte Klinge weiter. Paragraf 201 des Strafgesetzbuchs untersagt nach seinen Angaben auch, heimliche erstellte Mitschnitte Dritten zugänglich zu machen. Vorsorglich habe sich die Staatsanwaltschaft daher an die Internet-Plattform "YouTube" gewandt und um die IP-Adresse des Internetnutzers gebeten, der den Mitschnitt des Telefonats mit Ypsilanti dort veröffentlicht habe.
Möglicherweise doch durch die Kunstfreiheit gedeckt
Nach Angaben des Oberstaatsanwalts muss die Strafbarkeit des gesamten Vorgangs allerdings noch gründlich geprüft werden. "Das Ganze wirft schwierige juristische Probleme auf", betonte er. So prüfe man, ob ein satirisch gemeinter Anruf eines Stimmenimitators bei einer Person des öffentlichen Lebens durch die Kunstfreiheit geschützt sei. Solche satirischen Anrufe seien bei vielen Radiosendern üblich. Dennoch sei der Staatsanwaltschaft Hannover keine Verurteilung wegen eines mitgeschnittenen satirischen Telefonates bekannt.
Der ffn-Stimmenimitator Krause hatte in der vergangenen Woche im Wiesbadener Büro von Ypsilanti angerufen, sich als der designierte SPD-Bundesvorsitzende Müntefering ausgegeben und ein mehrere Minuten dauerndes Telefonat mit der hessischen SPD-Vorsitzenden geführt. Nachdem er sich zu erkennen gab, untersagte die 51-Jährige die Ausstrahlung des Gesprächs. Ein verkürzter Mitschnitt des Telefonats wurde allerdings bei YouTube eingestellt.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.

