IRA will laut Zeitungsbericht mit Entwaffnung beginnen: Ermittlungsverfahren wegen Ermordung von IRA-Anwältin eingestellt
zuletzt aktualisiert: 09.01.2000London/Belfast (AP). Die nordirische Untergrundbewegung Irisch-Republikanische Armee (IRA) will einem Zeitungsbericht zufolge noch in diesem Monat mit ihrer Entwaffnung beginnen. Wie der britische "Sunday Telegraph" am Sonntag berichtete, lud die Organisation den Leiter der Entwaffnungskommission, den kanadischen General John de Chastelain, dazu ein, in diesem Monat die Zerstörung eines Teils der Waffen zu bezeugen.
Wie es weiter hieß, schlug die IRA-Führung vor, den Rest ihres Waffenarsenals in unterirdischen Bunkern in Irland unter Aufsicht der Kommission zu verschließen.
Weder die britische Regierung noch die IRA selbst wollten sich zu dem Bericht der Zeitung äußern. Auch die IRA-nahe Partei Sinn Fein lehnte eine Stellungnahme ab. Weiter berichtet der "Sunday Telegraph", London plane, Soldaten aus Nordirland abzuziehen. Der britische Nordirlandminister Peter Mandelson will dem Bericht zufolge die Truppenstärke auf 3.000 Mann reduzieren. Derzeit sind etwa 15.000 Soldaten in der Provinz stationiert.
Die Frage der Entwaffnung der IRA hatte den Friedensprozess in Nordirland monatelang blockiert. Die protestantischen Ulster-Unionisten hatten vorigen November der Bildung einer nordirischen Regierung mit Beteiligung von Sinn Fein nur unter der Bedingung zugestimmt, dass die IRA bis Februar mit ihrer Entwaffnung beginne.
Der Sinn-Fein-Vorsitzende Gerry Adams kündigte in Belfast an, mit einer dreiköpfigen Delegation noch in dieser Woche nach Washington zu reisen und sich mit US-Präsident Bill Clinton zu treffen. Dabei wolle er der US-Regierung für ihre Hilfe danken und sie bitten, ihre Aufmerksamkeit auch weiterhin auf Nordirland zu richten, sagte Adams.
Unterdessen stellten die britischen Behörden in Zusammenhang mit der Ermordung der katholischen IRA-Anwältin Rosemary Nelson ihre Ermittlungen gegen nordirische Polizeibeamte ein, die Nelson bedroht haben sollen. Das gab die Staatsanwaltschaft am Samstag in Belfast bekannt. Nelson war im März vergangenen Jahres bei einem Bombenanschlag getötet worden.
Sinn-Fein-Sprecher Gerry Kelly sagte, die Entscheidung beweise, dass die überwiegend protestantische Polizei beim Umgang mit Nationalisten willkürlich handeln könne, ohne mit einer Strafe rechnen zu müssen. Dies zeige erneut die Notwendigkeit, die Polizeiangelegenheiten an ein unabhängiges internationales Organ zu übergeben, bis es in Nordirland ein "gerechtes System" gebe. Nelsons Ehemann Paul bezeichnete die Entscheidung als "weiteren Anschlag auf unsere Familie". "Fast zehn Monate nach ihrem Tod gibt es immer noch kein Engagement für Wahrheit oder Gerechtigkeit für Rosemary", sagte Nelson.
Zu dem Anschlag auf Nelson am 15. März 1999 hatte sich die protestantische Terrorgruppe Red Hand Defenders bekannt. Die 40-jährige Mutter dreier Kinder hatte zuvor die nordirische Polizeigruppe Royal Ulster Constabulary (RUC) beschuldigt, ihr mit dem Tode gedroht zu haben.
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