Massaker in den Palästinenserlagern: Ermordeter Ex-Miliz-Chef: Belastendes Material gegen Scharon?
zuletzt aktualisiert: 25.01.2002 - 18:01Beirut/Damaskus (rpo). Angeblich sind enge Vertraute des ermordeten libanesischen Ex- Milizenchefs Elie Hobeika (45) im Besitz von Dokumenten, die den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon belasten.
Hobeika, der bei der Explosion einer Autobombe ums Leben gekommen war, habe um sein Leben gefürchtet.
Er habe deswegen die Dokumente an einem sicheren Ort aufbewahrt, erklärten Freunde des Ermordeten am Freitag in der libanesischen Hauptstadt. "Die Dokumente belegen die Verwickelung Ariel Scharons, der 1982, als die Massaker in den Palästinenserlagern von Beirut verübt wurden, Verteidigungsminister war", sagte einer von ihnen.
Hobeika, der verschiedene Ministerposten innehatte und während des libanesischen Bürgerkrieges (1975-1990) Geheimdienstchef der Christenmiliz gewesen war, gilt selbst als einer der Hauptverantwortlichen für das Massaker, das von der Miliz unter den Augen der israelischen Armee verübt worden war.
Libanesische Politiker, darunter auch Präsident Emile Lahoud, erklärten unterdessen, der israelische Geheimdienst Mossad müsse hinter dem Attentat auf Hobeika stecken. Die Israelis hätten Hobeika getötet, um zu verhindern, dass er vor einem Gericht in Belgien gegen Scharon aussage. Auf die Frage, ob ein Libanese eventuell als Täter in Frage komme, sagte Lahoud, in Anspielung auf den Bürgerkrieg: "Die Libanesen wollen die Uhr nicht zurückdrehen."
Auch Syrien machte am Freitag Israel für den Mord verantwortlich. In einem Kommentar das Staatsrundfunks, der gewöhnlich die Regierungsmeinung widerspiegelt, hieß es: "Es besteht bei allen Beteiligten Einigkeit darüber, dass Israel hinter dem Verbrecher der Ermordung Elie Hobeikas steckt."
Die belgische Justiz will voraussichtlich am 6. März entscheiden, ob sie ein Verfahren gegen Scharon eröffnet. 23 Überlebende der Angriffe auf die Lager Sabra und Schatila hatten in Belgien eine Klage gegen den damaligen Verteidigungsminister eingereicht. Belgien hat ein Gesetz, dass es seinen Justizbehörden erlaubt, Verstöße gegen internationales Recht zu verfolgen, auch wenn diese keine direkte Verbindung zu Belgien aufweisen.
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