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Rakka
Erst Mossul, jetzt Rakka

Rakka. Die Militäroffensive gegen den IS weitet sich auf Nordsyrien aus. Das ist der Türkei ein Dorn im Auge. Von Birgit Svensson

Mit dem Sturm auf die syrische Stadt Rakka wanken die Hauptstädte des "Kalifats", das vor gut zwei Jahren vom Chef des Islamischen Staates (IS) im irakischen Mossul ausgerufen wurde und seitdem keine Gräueltat auslässt, um seinen Herrschaftsanspruch zu festigen. So fand das irakische Militär gestern nach eigenen Angaben südlich von Mossul ein Massengrab mit rund 100 bis auf das Skelett verweste, enthauptete Leichen.

Während im Irak die Armee mithilfe der kurdischen Sicherheitskräfte Peschmerga und diverser Milizen den IS angreifen, führt in Syrien ein Bündnis namens SDF ("Demokratische Syrische Kräfte") die Operation an. Die Soldaten bestehen zu einem Großteil aus Kämpfern der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) sowie aus arabischen Rebellen. In Syrien sowie im Irak hilft zudem die US-geführte Allianz mit Luftschlägen. Auch wenn die Amerikaner sich im Hintergrund halten, so sind sie es, die die Strippen für die Befehlsstrukturen ziehen und die Angriffsstrategie entwickeln.

Schon am Namen der Operation in Syrien erkennt man die Handschrift der USA. "Wut des Euphrat" haben sie sie getauft. Stets haben die US-Truppen ihren Operationen bedeutungsvolle Bezeichnungen gegeben, die zuweilen jedoch ins Gegenteil verkehrt wurden. "Iraqi Freedom" etwa für den Einmarsch der Briten und Amerikaner 2003 in den Irak brachte alles andere als Freiheit für das Zweistromland. Die Operation "Phantom Fury" - "gespenstische Wut" - begann am 8. November 2004 in Falludscha und geriet zur größten Niederlage der US-Truppen im Irak. Nun also die "Wut des Euphrat" in Rakka.

Die Offensive sei in zwei Schritten geplant, erläutert ein SDF-Sprecher. Die US-geführte Anti-IS-Koalition hat bereits Waffen geliefert. Außerdem sollen 50 US-Militärberater an der Offensive teilnehmen, vor allem um Luftangriffe zu koordinieren. Jetzt ist das Bündnis zwischen Amerikanern und Kurden der YPG also offiziell.

Die SDF und die maßgeblich daran beteiligte Kurdenmiliz YPG kontrollieren bereits große Gebiete im Norden Syriens. Die Türkei will jedoch verhindern, dass die Kurden ein zusammenhängendes Autonomiegebiet in der Grenzregion schaffen. Ankara betrachtet die YPG - genauso wie die in der Türkei verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) - als Terrororganisation.

Quelle: RP
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