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Es mangelt an Respekt

Moderne Kunst ist im besten Sinne immer eine Art Provokation: ein Widerstand gegen die Konvention, eine Irritation im Gewohnten, eine Störung des scheinbar Reibungslosen. Ein gewisses Streitpotenzial gehört zu ihrem Wesen, das noch gesteigert wird, wenn sich Kunsterfahrung nicht im gesicherten Terrain von Museen ereignet, sondern im sogenannten öffentlichen, ungeschützten Raum. Dann kommt es zu Konfrontationen, die heftiger sind als üblich und bei denen auch Ressentiments gegen alles Moderne zum Ausdruck kommen. Der zunehmende Vandalismus - wie jetzt bei der wiederholten Beschädigung von Kunstwerken in Münster - verweigert jeden Streit. In der Kunst-Vernichtung steckt die Unfähigkeit zur Artikulation, der Mangel an Respekt und die Verweigerung, sich auf Anderes überhaupt einzulassen. Wer Kunst zerstört, möchte ihre Überlieferung beenden. Man muss nicht jede Kunst mögen. Vandalismus aber ist ein bedenkliches Symptom für unsere Gesellschaft. Weil der Lust an Zerstörung immer auch der Verlust an Neugier, Offenheit und Toleranz innewohnt. Von Lothar Schröder
Quelle: RP
 
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