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Bootsunglücke
35 Flüchtlinge ertrinken vor türkischer Küste

Von Albanien bis zum Südsudan: Ursachen der großen Flucht
Von Albanien bis zum Südsudan: Ursachen der großen Flucht FOTO: ALESSANDRO BIANCHI
Athen/Piräus. Auf ihrer Flucht nach Europa sind erneut 35 Menschen gestorben. In der Ägäis sanken am Montag zwei Flüchtlingsboote nach ihrem Start von der türkischen Küste, wie die türkische Nachrichtenagentur Dogan berichtete.

Ihr Ziel war die griechische Insel Lesbos und damit die Europäische Union. Die Tragödien überschatteten den Ankara-Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), bei dem die Flüchtlingskrise im Mittelpunkt stand.

Ein Boot sank vor der türkischen Küstenregion Edremit. Laut Dogan kamen 24 Menschen ums Leben. Nur vier Menschen wurden gerettet, obwohl die türkische Marine Hubschrauber und Boote einsetzte. Beim ersten Unglück vor der Küstenstadt Izmir ertranken kurz zuvor elf Flüchtlinge, nur drei konnten gerettet werden. Woher die Menschen stammten, blieb zunächst unbekannt.

Trotz des Winterwetters begeben sich immer noch jede Woche tausende Menschen auf die gefährliche Überfahrt in Richtung EU. Seit Januar kamen dabei nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 360 Menschen im Mittelmeer ums Leben.

Merkel fordert legale Möglichkeiten der Einreise

Kanzlerin Merkel war am Montag zu Gesprächen mit dem türkischen Regierungschef Ahmet Davutoglu und mit Präsident Recep Tayyip Erdogan nach Ankara gereist. Die EU hatte schon im November einen Aktionsplan mit der Türkei vereinbart, der Ankara im Gegenzug für drei Milliarden Euro Flüchtlingshilfe verpflichtet, die ungesteuerte Auswanderung vor allem syrischer Bürgerkriegsflüchtlinge in die EU zu stoppen. Die Türkei hat ihre Bemühungen im Kampf gegen Schlepper bislang aber nach Brüsseler Einschätzung kaum verstärkt. Allerdings hat die EU auch erst seit vergangener Woche das versprochene Geld zusammen.

Um solche Unglücke zu verhindern müssten auch legale Möglichkeiten der Einreise geschaffen werden, forderte Merkel am Rande der Gespräche mit Davutoglu. "Wenn wir die illegale Migration unterbinden wollen, dann müssen wir natürlich in einem bestimmten Umfang bereit sein, auf legalem Wege Flüchtlinge aufzunehmen, insbesondere syrische Flüchtlinge."

Die Offensive der syrischen Regime-Truppen auf Aleppo hat überdies zu einer neuen Massenflucht geführt. An der türkischen Grenze warteten am Montag 30.000 Syrer auf Einlass, sagte Davutoglu.

Am Morgen hatten Helfer 573 Migranten bei stürmischen Winden aus den Fluten gerettet. Es sei "großes Glück" gewesen, dass niemand ertrunken sei, sagte ein Offizier der Küstenwache am Montag. Am Montagmorgen kamen in Piräus 530 neue Migranten aus den Inseln an. In ihrer Mehrheit wollen sie nach Mitteleuropa weiterfahren.

Proteste gegen sogenannte Hotspots

Auf der Insel Kos und nahe Piräus und Thessaloniki dauerten die Proteste gegen den Bau von Registrierzentren ("Hotspots") und Aufnahmelager an. Bei Thessaloniki blockieren Demonstranten die Zufahrt zu einer verlassenen Kaserne, in der ein Zentrum für 4000 Migranten entstehen soll. Rechtsgerichtete Demonstranten aus Keratsini demonstrierten gegen den Bau eines Zentrums in der Region Pyräus. Autonome organisierten eine Gegendemonstration, wie das Fernsehen zeigte.

Griechenland drückt nach monatelanger Verzögerungen beim Bau der Registrierzentren nun aufs Gas. Ein Hotspot auf Lesbos ist fertig. Vier weitere sollen bis Monatsende auf den Inseln Chios, Samos, Leros und Kos entstehen.

(rent/felt/das/AFP/AP/dpa)
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