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Tsipras-Besuch bei Putin
Liebesgrüße an Moskau

Alexis Tsipras zu Besuch im Kreml
Alexis Tsipras zu Besuch im Kreml FOTO: dpa, si jak
Düsseldorf. Der russische Präsident empfängt den griechischen Premier – und alle Welt fragt sich: Wie stark sucht Athen die Nähe zu Moskau? Konkrete Finanzhilfen gab es vom Kreml nicht. Dafür viele Versprechen für künftige Investitionsprojekte. Von Maximilian Plück

Das Band zwischen Griechenland und Russland ist traditionell eng, ein Besuch des griechischen Premiers beim russischen Präsidenten folglich nicht ungewöhnlich – wären da nicht die Begleitumstände: Athen ächzt unter der Schulden-, Moskau unter der Ukraine-Krise und den damit einhergehenden Sanktionen des Westens. Entsprechend argwöhnisch beobachtete am Mittwoch die Weltöffentlichkeit, wie Wladimir Putin Alexis Tsipras im Kreml begrüßte. Über allem schwebte die Frage, wie weit sich der Grieche in Richtung Russland orientieren und wie weit Putins Hilfsbereitschaft gehen würde.

"Die griechisch-russischen Handelsbeziehungen erstrecken sich in erster Linie auf Agrarexporte", erläutert der Griechenland-Experte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Alexander Kritikos. Nach Darstellung von Kremlchef Putin brach der Handel zwischen beiden Ländern im vergangenen Jahr um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein.

Porträt: Alexis Tsipras - selbsternannter Retter Griechenlands FOTO: dpa, sp ase tba

Das Handelsvolumen beträgt Kritikos zufolge rund eine knappe halbe Milliarde Euro pro Jahr, weshalb Griechenland auch relativ am stärksten von Putins Handelsembargo getroffen wird. Moskau hatte die Einfuhr von Agrar-Produkten als Reaktion auf die EU- und US-Sanktionen untersagt. "In der für Griechenland ökonomisch nicht einfachen Situation ist es nachvollziehbar, dass Alexis Tsipras versucht, Lockerungen vor Ort zu erwirken", sagt Kritikos.

Moskau hat Probleme genug

Putin feiert die Annexion der Krim in Moskau FOTO: ap

Doch wie weit war Tsipras bereit dafür zu gehen? Beobachter fürchteten, er könnte für die Aushebelung des Embargos Zugeständnisse machen. Denn der Premier hat ein aus EU-Sicht fatales, aber mächtiges Instrument im Köcher: ein Veto gegen die Russland-Sanktionen. Alle 28 EU-Mitgliedstaaten müssen einstimmig für eine Verlängerung der Strafmaßnahmen stimmen. Andernfalls würden diese im Juli auslaufen. "Aus wirtschaftlicher Sicht wäre aber auch eine einseitige Lockerung des russischen Gegenembargos gegenüber Griechenland im russischen Interesse, schließlich bekommen die dort lebenden Verbraucher dessen Folgen am eigenen Leibe zu spüren", sagt DIW-Experte Kritikos.

Genau diese angespannte wirtschaftliche Situation in Russland lässt auch direkte Finanzhilfen äußerst fragwürdig erscheinen. Moskau hat Probleme genug: Der Rubel hat in den vergangenen vier Monaten massiv abgewertet. Der Preisverfall bei Öl und Gas hat riesige Löcher in die russische Staatskasse gerissen. Sollte der Preis unter die Marke von 50 Dollar pro Barrel (159 Liter) fallen, fehlen 41,4 Milliarden Euro. Experten rechnen für das laufende Jahr mit einem Rückgang des russischen Bruttoinlandsprodukts um drei bis fünf Prozent. Echte finanzielle Hilfe für Athen ist da nicht zu erwarten.

Porträt: Varoufakis – Medienexperte und Ex-Finanzminister FOTO: dpa, el ase

Die gefürchtete Hinwendung zu Russland gab es nicht

Und tatsächlich verlegte sich Moskaus starker Mann darauf, seinen griechischen Gast vor allem mit Hoffnungswerten zufriedenzustellen. So stellte der Kremlchef Kredite für große Infrastrukturprojekte in Aussicht. Putin erklärte zudem, Griechenland könne künftig zum wichtigsten Gas-Transitland in der EU werden.

Wenn sich Athen der neuen Pipeline Turkish Stream anschließe, dann werde es zum "geopolitischen Akteur", sagte Putin und stellte den Griechen Hunderte Milliarden Euro an Einnahmen aus dem Gas-Transit sowie viele Arbeitsplätze in Aussicht. Die geplante Pipeline von Russland durch das Schwarze Meer in die Türkei ersetzt das geplatzte transeuropäische Vorhaben South Stream.

Die vielfach befürchtete Hinwendung zu Russland hat also nicht stattgefunden. Das Treffen war der Versuch langjähriger Handelspartner, Wege zurück zur Normalität auszuloten. Die Tage des russischen Embargos könnten gezählt sein.

Quelle: RP
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