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Griechenland-Krise
Merkel und Hollande beraten vor Euro-Gipfel unter vier Augen

Angela Merkel und Francois Hollande beraten vor Euro-Gipfel unter vier Augen
Angela Merkel und Francois Hollande wollen vor dem EU-Gipfel allein beraten. FOTO: ap, VM
Brüssel. Die Euro-Finanzminister wollen die zentralen Beschlüsse zur Lösung der Griechenland-Krise ihren Regierungschefs überlassen. Die Staatschefs der beiden führenden Nationen beraten sich kurz vor dem Euro-Gipfel bereits unter vier Augen: Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef François Hollande kommen in Brüssel zusammen.

Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Brüssel am Sonntag aus Diplomatenkreisen. Merkel und Hollande stimmen sich routinemäßig vor Gipfeln der Staats- und Regierungschefs ab. Am Sonntag hat das Gespräch aber besondere Bedeutung, weil die in Frankreich regierenden Sozialisten empört über Vorschläge von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sind.

Schäuble schlägt in einem Positionspapier diese Alternative vor: Entweder Athen bessere seine Reformpläne rasch nach, oder das Land solle die Eurozone für mindestens fünf Jahre verlassen. Der Chef der französischen Parti socialiste, Jean-Christophe Cambadélis, erklärte am Sonntag in Paris, die Völker in Europa verstünden die deutsche Haltung nicht.

Bei ihrer Ankunft in Brüssel sagte Kanzlerin Angela Merkel: "Die Lage ist extrem schwierig. Auch deshalb, weil auch die wichtigste Währung verloren gegangen ist: Das ist das Vertrauen und das ist die Verlässlichkeit." Es werde keine Einigung um jeden Preis geben", fügte die sie hinzu. Frankreichs Präsident Hollande sprach sich erneut gegen den Grexit aus: "Ein Grexit würde bedeuten, dass Europa sich rückwärts bewegt. Ich möchte das nicht."

Trotz des Krisentreffens von Merkel und Hollande sind die Staats- und Regierungschefs der Eurozone nach Einschätzung von Diplomaten entschlossen, beim Krisengipfel in Brüssel eine Entscheidung zu Griechenland zu fällen. Es gehe darum, ob Verhandlungen über neue Hilfsmilliarden aus dem Eurorettungsschirm ESM aufgenommen werden oder nicht, berichteten die Diplomaten am Sonntag.

"Das ist ein entscheidender Augenblick in der europäischen Geschichte", sagte einer von ihnen, der ungenannt bleiben wollte. Dank der kurzfristigen Absage des Gipfels mit allen 28 EU-Staaten bleibe den "Chefs" der 19 Euroländer mehr Zeit für Beratungen. Das Spitzentreffen wird um 16 Uhr beginnen.

Es sei nur ein Konsens-Entscheid möglich - das heißt im Gegenschluss, dass ein Staat einen Beschluss verhindern könnte. Falls sich die "Chefs" gegen die Verhandlungen mit Griechenland aussprechen sollten, drohen die Staatspleite und der Austritt aus dem Eurogebiet.

Skepsis unter Finanzministern

Allerdings haben Vertreter mehrerer Staaten zum Auftakt des Euro-Finanzministertreffens zur Griechenlandkrise einer Einigung mit Athen am Sonntag kaum Chancen eingeräumt. Die Positionen der beiden Seiten lägen immer noch "sehr, sehr weit auseinander", sagte der finnische Finanzminister Alexander Stubb. Auf einer Skala von eins bis zehn bezifferte er die Chancen auf "irgendwo zwischen drei und vier".

Der italienische Finanzminister Pier Carlo Padoan schloss eine Einigung am Sonntag überhaupt aus. Die europäischen Geldgeber hätten kein Vertrauen mehr, dass Griechenland seine Reformversprechen auch tatsächlich einhalten würde. Bei den Gesprächen solle vor allem eine neue Grundlage für Verhandlungen geschaffen werden. "Es geht nicht darum, einen Deal abzuschließen."

Der zyprische Finanzminister Harris Georgiades betonte, es gebe weiterhin einen Weg, um Griechenland in der Eurozone zu halten. Allerdings müsse weniger auf der Grundlage von Emotionen und mehr auf der Grundlage der Vernunft miteinander gesprochen werden, sagte er vor Beginn der Sitzung in Brüssel. "Populismus, Slogans und Extreme" würden keine Einigung bringen.

(dpa)
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