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Griechenland-Streit
Athens Geldgeber haben die besseren Karten

Griechenlands Euro-Frust in Form von Graffiti
Griechenlands Euro-Frust in Form von Graffiti FOTO: ap
Düsseldorf. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat einen Vermittlungsversuch mit Athen abgebrochen. Am Ende muss auch Bundeskanzlerin Merkel ihre Strategie überdenken. Ein Kommentar. Von Birgit Marschall

Wer pokert, sollte immer genau wissen, wann er sein Blatt überschätzt. Er sollte dann aussteigen. Griechenlands Premier Tsipras glaubt, dass sich Europa den Grexit nicht leisten will. Für ihn selbst aber wäre er viel schlimmer: Sein Land stürzte ins Chaos, denn geordnete Abläufe nach einem Währungsunfall in einem Land, dessen Verwaltung schon in normalen Zeiten überfordert ist, sind unrealistisch. So verlöre Tsipras auch seine Macht.

Auch Europa hat sicher viel zu verlieren. Griechenland könnte sich Russland oder China zuwenden, die griechischen EU-Außengrenzen würden unsicherer und von noch mehr Flüchtlingen gestürmt, die Finanzmärkte würden die Ansteckungsgefahr für Portugal, Spanien oder sogar Italien zumindest testen. Erstmals würde ein Mitglied die als unwiderrufbar geltende Währungsunion verlassen: ein unangenehmes Signal der Schwäche. Doch am Ende wäre der Grexit für Europa wirtschaftlich verkraftbar: Am kleinen Griechenland wird der Euro nicht zerbrechen.

Noch bleibt Merkels Kurs der Kompromisssuche zwar richtig, aber nicht um jeden Preis. Der Kompromiss muss unbedingt die Handschrift der Geldgeber tragen, denn sie haben die besseren Karten.

Quelle: RP
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