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Flüchtlingskrise
Die Schließung der Balkanroute in Zahlen

So verheerend ist die Situation der Flüchtlinge
Düsseldorf. Sie war Synonym für den Flüchtlingsstrom nach Westeuropa, jetzt wird die Balkanroute von den Grenzstaaten faktisch abgeriegelt. Eine Annäherung in Zahlen. Von Ludwig Krause

1.000.000 Flüchtlinge - andere Schätzungen sprechen sogar von deutlich über einer Million - haben die Balkanroute allein im Jahr 2015 als Transitweg nach Europa genutzt.

2 Routen werden in der Regel unterschieden: Die Westbalkanroute führt über Griechenland, Mazedonien und Serbien. Die Ostbalkanroute über die Türkei, Bulgarien und Rumänien und Serbien. Außerdem gibt es zahlreiche kleinere Nebenrouten.

2819 Kilometer weit verläuft die EU-Außengrenze entlang der Balkanroute. Sie gehört zu den Ländern Kroatien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Griechenland.

4 Länder haben die Balkanroute bisher für Flüchtlinge geschlossen: Slowenien, Serbien und Kroatien und Mazedonien. Einreisen dürfen nur noch Menschen mit gültigen Pässen und Visa. Papiere, die kaum ein Flüchtling besitzt.

478.000 Menschen sind seit Mitte Oktober durch Slowenien in Richtung Norden gezogen.

100.000 Menschen haben Österreich und Deutschland im Januar und Februar bereits über die Balkanroute erreicht. Das ist in der Form künftig nicht mehr möglich.

Dramatische Lage im Flüchtlingslager von Idomeni FOTO: afp, dd/

340 Tote hat die Flucht über die Ägäis in diesem Jahr bereits gefordert. Nach Abriegelung der Balkanroute dürfte das Mittelmeer der am meisten genutzte Fluchtweg bleiben. So bereitet sich nun Italien auf einen neuen Ansturm an Flüchtlingen vor. Dort hat man im vergangenen Jahr bereits 100.000 Flüchtlinge in Hilfseinrichtungen aufgenommen. Die lebensgefährliche Überfahrt von Albanien nach Italien ist theoretisch in einer Nacht zu schaffen.

132.000 Migranten haben laut UNHCR seit Jahresbeginn aus der Türkei zu den griechischen Inseln übergesetzt.

38 Prozent davon waren Kinder, 22 Prozent Frauen und 40 Prozent Männer.

Flüchtlingsansturm in Mazedonien FOTO: ap

1700 Flüchtlinge pro Tag kommen seit dem 1. März auf den griechischen Inseln an. Von dort aus ging es bisher über Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien nach Österreich und Deutschland. Einmal auf der Balkanroute angekommen, wurden die Flüchtlinge regelrecht durchgeschleust, oft in Zügen unter staatlicher Kontrolle.

35.000 Mahlzeiten und rund 1.500 Hygiene-Kits verteilt "Ärzte ohne Grenzen derzeit allein an der griechisch-mazedonischen Grenze in Idomeni pro Tag. Die Lage für Flüchtlinge an den Grenzen ist teils prekär. Nach Einschätzung der Organisation sitzen in Idomeni derzeit etwa 15.000 Flüchtlinge fest. Trotz andauernder Hilfe müssten immer noch Hunderte im Freien schlafen. Insgesamt sind rund 34.000 Menschen in Griechenland gestrandet. Dabei hat das Land Plätze für 3000 Asylbewerber, hinzu kommen 20.000 Plätze in Notunterkünften. Alle Aufnahmezentren seien laut "Ärzte ohne Grenzen" voll ausgelastet.

2 Wochen - so lange sitzt die Mehrheit der 700 afghanischen Flüchtlinge in Mazedonien fest. Ihnen werde nicht laut "Ärzte ohne Grenzen" nicht erlaubt, die Reise fortzusetzen. 1100 Menschen sind in Serbien gestrandet, viele von ihnen bereits länger als eine Woche. 

Vor der EU-Konferenz zur Lösung des Problems am 7. März sagte Angela Merkel noch, es könne nicht darum gehen, "dass irgendetwas geschlossen wird". Nach dem Gipfel erbat sie im SWR mehr Zeit für einen europäischen Flüchtlingspakt mit der Türkei. Auch wenn die Formulierung aus dem Beschluss der Konferenz entfernt wurde, schufen die Länder Fakten. 

CDU-Generalsekretär Peter Tauber kritisierte das Abriegeln der Balkanroute für Flüchtlinge.  "Wir brauchen eine europäische Lösung und keine nationalen Alleingänge", sagte Tauber am Mittwoch dem Sender NDR Info. Österreichs Bundeskanzler Faymann fährt einen deutlich strikteren Kurs: "Es muss klar sein: Die Balkanroute ist geschlossen."

(lukra)
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