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Britische Studie
Mehrheit der Europäer will keine Einwanderer aus muslimischen Ländern

Britische Studie: Europäer sind gegen Einwanderung aus muslimischen Ländern
Flüchtlinge laufen über eine Brücke von Österreich nach Deutschland (Archivbild). FOTO: dpa, kne tba sab jai
London/Washington. Donald Trump will die US-Grenzen für Reisende aus sieben muslimischen Staaten dichtmachen. Die meisten Europäer würden sich ebenfalls einen Einreisestopp wünschen, twittert der US-Präsident mit Verweis auf eine Studie. Aber stimmt das?  Von Franziska Hein

Es ist ein Tweet unter vielen: Neben der Freude über Jeff Sessions Ernennung zum US-Justizminister und dem Ärger über eine Kaufhauskette, die seine Tochter Ivanka "unfair" behandelt habe, twitterte Donald Trump am Mittwoch auch den Link zu einer britischen Umfrage. 

Trump wertet die Umfrage als europäische Zustimmung für den Einreisestopp für Bürger aus sieben überwiegend muslimischen Ländern. Die Studie stammt vom renommierten britischen Think-Tank "Chatham House" und zeigt, dass die Mehrheit der befragten Europäer Einwanderer aus muslimischen Ländern ablehnt.

55 Prozent der Befragten für Einwanderungsstopp

Chatham House befragte nach eigenen Angaben 10.000 Menschen in zehn europäischen Staaten: Belgien, Deutschland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Italien, Österreich, Großbritannien, Ungarn und Polen. Den Teilnehmern wurde die folgende Aussage vorgelegt: "Die Migration aus überwiegend muslimischen Ländern sollte gestoppt werden." Etwa 55 Prozent aller Befragten stimmten der Aussage zu, knapp 25 Prozent lehnten sie ab und etwa 20 Prozent blieben neutral. 

In jedem Land lehnte die Mehrheit Einwanderer aus muslimischen Ländern ab, in Belgien, Frankreich, Österreich, Ungarn und Polen waren es mehr als 60 Prozent. In Deutschland sind 52 Prozent dafür, die Migration zu stoppen, und nur etwa 18 Prozent dagegen. Spanien ist das Land, in dem Zustimmung und Ablehnung am nächsten beieinander liegen. 41 Prozent stimmten pro Einwanderungsstopp, 32 Prozent dagegen. 

Ältere wollen keine muslimischen Zuwanderer

Auffällig ist auch ein Blick auf die sozialen Parameter. Ein Querschnitt aller Befragten zeigt, dass vor allem die Älteren gegen Zuwanderung aus muslimischen Regionen ist. In der Altersgruppe 60 plus stimmten 63 Prozent (also fast zwei Drittel) für den Migrationsstopp, bei den Unter-Dreißigjährigen nur 44 Prozent. Deutlich ist auch, dass Menschen mit geringem Bildungsabschluss sich häufiger für dichte Grenzen aussprechen (knapp 60 Prozent).

Die Ergebnisse der Umfrage sind deutlich - dennoch wäre es unzulässig, sie als europäische Bestätigung für die Politik Donald Trumps zu interpretieren. Zum einen wurde die Studie durchgeführt, bevor der neue US-Präsident sein Dekret zum "Muslim ban" erließ. Und zum anderen ist in der Befragung von "Migration" die Rede - Zuwanderung, nicht Einreise. Nach Trumps Dekret hingegen sollten die US-Grenzen für sämtliche Reisende aus den betreffenden Staaten geschlossen werden, auch für Urlauber und Besucher. Nach einer solchen Maßnahme allerdings hatte Chatham House nicht gefragt.

Hier geht es zur Studie.

 
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