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Europawahl
Die AfD hat das unverständlichste Wahlprogramm

Zehn Fakten zur AfD
Zehn Fakten zur AfD FOTO: dpa, Bernd von Jutrczenka
Stuttgart. Was wollen eigentlich die einzelnen Parteien zur Europawahl? Ein Blick in die Wahlprogramme zeigt es. Doch die können mitunter arg kompliziert sein, wie der Verständlichkeits-Check der Universität Hohenheim zeigt. Und am schlechtesten schneidet in Deutschland in diesem Jahr die Alternative für Deutschland (AfD) ab. Von Dana Schülbe

"Deutschlands Parteien verspielen größtenteils die Chance, den Bürgern Europa und du eigenen politischen Ziele durch ihre Wahlprogramme im Detail darzulegen", teilte die Universität Hohenheim mit. Erneut hat die Hochschule um den Kommunikationswissenschaftler Professor Frank Brettschneider die Wahlprogramme der Parteien einem Verständlichkeitscheck unterzogen.

Auch wenn erneut viele Fremdwörter, ellenlange Sätze und Fachwörter gefunden wurden, so sei der Wahlkampf – gemessen an den Programmen – einer der verständlichsten der vergangenen drei Jahrzehnte, so die Wissenschaftler. Anhand des entwickelten "Hohenheimer Verständlichkeitsindex"  wurden demnach nicht nur die Wahlprogramme aus diesem Jahr durchgecheckt, sondern alle seit 1979.

CSU schneidet am besten ab

Geht es aber speziell um diesen Wahlkampf, dann hat die AfD das unverständlichste Wahlprogramm. Bei 6,4 liegt der Wert des Programms der Eurokritiker. Zum Vergleich: Politik-Artikel in der "Bild"-Zeitung haben einen Wert von 16,8, eine durchschnittliche Doktorarbeit von 4,3. Am besten schneidet die CSU mit einem Wert von 13,0 ab. Dies sei auch das verständlichste Programm aller untersuchten Europawahlprogramme seit 1979.

Auf Platz 2 landet die CDU, allerdings schon mit großem Abstand (Wert: 9,5), auf den Plätzen dahinter landen die SPD mit 8,9, Bündnis 90/Die Grünen mit 7,7, die FDP mit 7,5 und die Linke mit 6,8.

Viele Parteien, so die Forscher, verwendeten überlange Sätze mit mehr als 50 Wörtern in ihren Programmen, hinzu kämen jede Menge Wortungetüme. Als Beispiel wird bei der AfD der Begriff konfiskatorische Staatseingriffe genannt – das bedeutet so viel wie Enteignung oder Beschlagnahmung durch den Staat – oder auch Solvency-II-Eigenkapitalregime bei der CDU – was eine neue Regelung zur Eigenmittelausstattung bei Versicherungsunternehmen bezeichnet.

Klar, dass die häufigsten Wörter in den Programmen etwas mit Europa zu tun haben, bei CDU/CSU und der AfD komme aber auch sehr häufig der Begriff "Deutschland" vor. "Die AfD nennt nur sich selbst noch etwas häufiger", heißt es in der Pressemitteilung der Universität.

Auch Österreich unter die Lupe genommen

Das längste Wahlprogramm stammt übrigens erneut von den Grünen mit 120 Seiten, das kürzeste von der CSU mit 17 Seiten. Die Wissenschaftler betonen aber auch, dass die Verständlichkeit der Programme nicht das einzige Kriterium ist, dass etwas über die Güte der Programme aussage. "Unfug wird nicht dadurch richtig, dass er formal verständlich formuliert ist. Und unverständliche Formulierungen bedeuten nicht, dass der Inhalt falsch ist", kommentiert Lucie Buttkus, Co-Autorin der Studie.

Die Wissenschaftler haben neben den deutschen übrigens auch die österreichischen Wahlprogramme unter die Lupe genommen. Und die kommen noch schlechter weg. Demnach bräuchten die Wähler für die Lektüre der dortigen Programme einen universitären Abschluss oder zumindest Oberstufenniveau.

"Die Wahlprogramme schließen den größten Teil der Bevölkerung aus", sagte Thomas Holzinger vom Mediaclub Wien bei der Vorstellung der Ergebnisse in Österreich am Dienstag. Auch sei die Sprache im Vergleich zu 2009 noch einmal komplizierter geworden.

In unserem Nachbarland hätten die Parteien Neos und Rekos die kompliziertesten Programme, am verständlichsten seien die von Europa Anders und den Grünen. Die großen Parteien ÖVP, SPÖ und FPÖ lägen im Mittelfeld.

 

(das)
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