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Europa-Sternfahrt: Doris Heimanns Weg nach Straßburg (2)

VON DORIS HEIMANN - zuletzt aktualisiert: 04.06.2009 - 12:02

(RP). Was bedeutet Europa den Europäern? Welche Sorgen, welche Hoffnungen haben sie? Drei Autoren unserer Redaktion haben den Kontinent erkundet. Doris Heimann ist von Narva nach Straßburg aufgebrochen.

In Narva an der estnisch-russischen Grenze blüht der Handel - die Schlangen am Übergang sind lang.  Foto: Heimann
In Narva an der estnisch-russischen Grenze blüht der Handel - die Schlangen am Übergang sind lang. Foto: Heimann

Für eine Reise durch Osteuropa gelten immer noch besondere Bedingungen. Als ich meinen arg zerkratzten Mietwagen in Tallinn in Empfang nehme, prangt auf dem Mietvertrag ein großer Stempel: "Genehmigt für Lettland, Litauen und Polen". Soweit darf ich also fahren. In Warschau erfahre ich später, dass die Weiterfahrt nach Berlin oder nach Straßburg nur gegen eine horrende Gebühr möglich wäre. Ein Ost-Wagen bleibt ein Ost-Wagen und der muss im Osten bleiben – so lautet wohl immer noch die Logik der internationalen Leihwagen-Firmen. Dabei zeigt ein Blick auf die Autos, die im Baltikum und Polen unterwegs sind: Auch hier dominieren zunehmend neue Modelle. Die Zeiten, wo ein 08/15-Wagen der Golfklasse Begehrlichkeiten geweckt hätte, sind lange vorbei.

Gewöhnungsbedürftig sind in diesem Teil Europas immer noch die Straßen. Nur Litauen kann mit einer durchgehenden Autobahn aufwarten. In den anderen Ländern sind meist nur kurze Streckenabschnitte zweispurig in jede Richtung ausgebaut. Dazwischen drängt sich der Verkehr über einfache Landstraßen, auch Stadtumgehungen sind vielerorts noch ein Fremdwort. In den baltischen Ländern geht es noch, weil dort das Verkehrsaufkommen nicht so hoch ist. Außerdem wird die "Via Baltica" mit EU-Mitteln ausgebaut. Besonders arg ist es in Polen. Das größte Land in der Region hat noch viel Arbeit vor sich. Kolonnen schwere Lastwagen quälen sich über holperige Straßen, ihre Reifen graben knöcheltiefe Spurrillen in den weichen Belag. Überholmanöver sind riskant. Um den Pkw-Fahrern dabei zu helfen, fahren manche Trucker zur Hälfte auf dem Randstreifen. Das geht so lange gut, bis sie selbst vor sich ein Hindernis haben: einen Trecker etwa oder einen Fahrradfahrer. Dann zieht der Truck plötzlich nach links – Pech für den, der gerade überholen wollte.

An besonders neuralgischen Stellen grüßen in Polen makabre Schilder: "Vorsicht, schwarzer Punkt! 12 Tote, 34 Verletzte" Immer wieder stehen am Straßenrand Holzkreuze, mit kitschigen Plastikblumen geschmückt. Auch sie sind eine düstere Erinnerung daran, dass Polen in Europa zu den Ländern mit den meisten tödlichen Verkehrsunfällen gehört.

Immerhin achten die Autofahrer inzwischen auf das Tempolimit innerhalb der Ortschaften. Auch das ist indirekt eine Auswirkung der EU-Osterweiterung. In Ländern wie Russland und der Ukraine fallen immer noch korrupte Verkehrspolizisten wie Wegelagerer über die Autofahrer her. Weil die mehr darauf aus sind, den Geldfluss in die eigene Tasche zu regeln als den Verkehr, tragen sie zur Sicherheit auf den Straßen wenig bei. In den baltischen Ländern und in Polen gibt es das nicht mehr. Über die Einhaltung des Tempolimits wachen jetzt überall Starenkästen. Nur einmal werde ich in Lettland von einem Streifenpolizisten angehalten. Kontrolle der Papiere, kurze Ermahnung, das Tempolimit nicht zu überschreiten – Weiterfahrt. Und ich habe keinen Pfennig dazu bezahlt. In Russland wäre das undenkbar!


 
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