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Beratungen über Folgen des Brexit-Votums
EU-Gipfel, Sondersitzungen, Misstrauensvotum

EU-Gipfel, Sondersitzungen: Beratungen über Folgen des Brexit-Votums
In Brüssel, London und Berlin wird über die Brexit-Folgen diskutiert FOTO: dpa, nie wst
Brüssel/Berlin. Das Votum für einen Brexit hat die EU in eine historische Krise gestürzt. Nun ringt Großbritannien mit den übrigen EU-Mitgliedern um den zeitlichen Ablauf und die Folgen eines EU-Austritts. Heute stehen gleich mehrere wichtige Termine an.

Fünf Tage nach dem folgenschweren Brexit-Votum will der britische Premier David Cameron den übrigen 27 EU-Staaten seine Vorstellungen für einen Austritt des Landes aus der Union erläutern. Großbritannien und die Regierungen von Deutschland, Frankreich und Italien gehen mit gegensätzlichen Positionen in den EU-Gipfel in Brüssel: Während Cameron Zeit für sein Land fordert, pochen die drei EU-Schwergewichte auf rasche Klarheit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte am Montag nach einem Treffen mit Frankreichs Präsident François Hollande und dem italienischen Regierungschef Matteo Renzi, es werde keine formellen oder informellen Gespräche mit London über einen Austritt geben, bevor nicht der entsprechende Antrag eingegangen sei. Dieser solle so schnell wie möglich kommen, sagte Hollande. "Wir haben keine Zeit zu verlieren", fügte er hinzu. "Nichts ist schlimmer als Ungewissheit."

Noch vor Beginn des Gipfels befasst sich der Bundestag in einer Sondersitzung mit den Folgen der britischen Entscheidung. Merkel gibt eine Regierungserklärung ab. Auch das EU-Parlament kommt vor dem Gipfel zu einer Sondersitzung in Brüssel zusammen, in der EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker reden wird.

Cameron wird am Abend bei einem Arbeitsessen den übrigen Staats- und Regierungschefs über die Lage in seinem Land nach dem Referendum berichten. Am Mittwoch wird der EU-Gipfel dann als "informelles" Treffen fortgesetzt - ohne Großbritannien. Dabei geht es um die Organisation des Scheidungsprozesses zwischen der EU und Großbritannien sowie um die Zukunft der Gemeinschaft.

Britische Parteien stellen sich neu auf

Bei den britischen Konservativen läuft derweil das Rennen um die Nachfolge von Cameron an. Als klarer Favorit gilt derzeit Londons früherer Ex-Bürgermeister Boris Johnson, der sich an die Spitze der Brexit-Kampagne gestellt hatte. Er wäre es dann, der die Austrittsverhandlungen mit Brüssel führen müsste. Am Dienstag kommt voraussichtlich der Tory-Parteivorstand zusammen, um über einen Zeitplan für die Nachfolge Camerons zu beraten. Nach dem Vorschlag eines einflussreichen Parteikomitees soll der neue Parteichef und damit auch der künftige Premier spätestens am 2. September feststehen.

Finanzminister George Osborne wird es jedenfalls nicht: In einem Gastbeitrag für die "Times" erklärte er seinen Verzicht auf das Amt des Parteivorsitzenden und begründete dies damit, dass er die Tories als ausgesprochener Brexit-Gegner nicht einen könne.

Auch bei der oppositionellen Labour-Partei tobt der Machtkampf: Am Dienstag muss sich der Vorsitzende Jeremy Corbyn einem Misstrauensvotum stellen. Der 67-Jährige wehrt sich gegen massive Rücktrittforderungen aus den eigenen Reihen. Abgeordnete fürchten für Labour schwere Verluste bei Neuwahlen mit dem zum linken Parteiflügel gehörenden Corbyn.

(crwo/dpa)
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