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Der neue griechische Finanzminister
Euklid Tsakalotos – der Mann der leiseren Töne

Fotos: Euklid Tsakalotos ist neuer griechischer Finanzminister
Fotos: Euklid Tsakalotos ist neuer griechischer Finanzminister FOTO: afp, ADS/MR
Athen. Giannis Varoufakis war für seine lautstarken Wortmeldungen bekannt, galt als Reizfigur. Sein Nachfolger Euklid Tsakalotos gilt als ruhiger, zurückhaltender Mann. Doch auch er hat feste Ansichten, wenn es um die Verhandlungen in Brüssel geht. Ob die Gespräche mit den Gläubigern einfacher werden, ist also noch lange nicht gesagt.

Bei seinem Amtsantritt am Montag gab Tsakalotos zu, dass er nervös sei. Aber er wolle die Gespräche fortführen, die zu etwas Besserem führten "für all diese Menschen, die so gelitten haben". Neu einarbeiten jedenfalls muss er sich in die komplexe Schuldenproblematik nicht, denn er war bereits im April von Ministerpräsident Alexis Tsipras zum Koordinator und Chefunterhändler der Verhandlungen in Brüssel ernannt worden.

Der vormalige Professor für Ökonomie an der Athener Wirtschaftsuniversität hat den Ruf, für die Integration in der Europäischen Union einzutreten, aber strikt gegen kapitalistische Prinzipien zu sein. So kritisierte auch er die Gläubiger in Brüssel und die seinem Land auferlegten Sparmaßnahmen. "Die Europäische Währungsunion hat einen Bruch zwischen dem Kern und der Peripherie geschaffen, und die Beziehungen zwischen den beiden sind hierarchisch und diskriminieren." 

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Anders als sein Vorgänger gilt er aber als ruhig, bescheiden und guter Zuhörer. Starallüren sind ihm fremd. Manche halten ihn für radikaler, andere für gemäßigter als Varoufakis. Er ist zudem Mitglied von Syriza (Varoufakis ist parteilos) und auch im Zentralkomitee der Partei.

Ähnlich wie Varoufakis beklagt auch er Demokratiedefizite in Europa. Er hat sich zudem den Kampf gegen Steuerbetrug und Bestechung sowie für bessere Verwaltungsstrukturen auf die Fahnen geschrieben.

"Das Votum selbst regelt nichts"

Geboren wurde der 55-jährige Sohn griechischer Auswanderer in Rotterdam. Er stammt aus einer reichen Familie, studierte Wirtschaft, Politik und Philosophie an den britischen Universitäten Oxford und Sussex, machte dort auch seinen Doktor und lehrte von 1990 bis 1993 Ökonomie an der britischen Universität Kent. Schließlich wurde er aber an die Athener Uni als Professor berufen. Damals soll er Probleme mit seiner Muttersprache gehabt haben.

Bevor er in die Politik ging, führte er seine Studenten in monatelange Proteste gegen eine geplante Reform des Bildungswesens, marschierte mit an der Spitze, wie sein ehemaliger Buchhalter sagt. Damals kam er auch mit Syriza in Berührung. Im Mai 2012 schließlich wurde er das erste Mal in Athen ins Parlament gewählt.

Griechen bejubeln "Nein" im Referendum FOTO: afp, MR/SB

Als Tsipras an die Macht kam, wurde er stellvertretender griechischer Außenminister und im April schließlich Tsipras Chefunterhändler in Brüssel. Dass Tsipras den Mann mit der ruhigeren Art für den Posten des Finanzministers wählte, dürfte daher als ein Zeichen in Richtung Brüssel sein, dass es nun besonnener zugehen könnte als zuvor mit Varoufakis. 

An den politischen Vorstellungen Syrizas oder auch der Forderung nach einem Schuldenschnitt wird sich durch den Personalwechsel nichts ändern. Und derzeit wartet Brüssel ohnehin darauf, dass Athen nun seinerseits Vorschläge macht, wie es denn nun in der Schuldenkrise weitergehen soll.

(das/rtr/AP/dpa)
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