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Flüchtlinge
Dänemark stellt Zugverkehr mit Deutschland ein

Fotos: Flüchtlinge wollen von Dänemark nach Schweden laufen
Fotos: Flüchtlinge wollen von Dänemark nach Schweden laufen FOTO: dpa, cul
Padborg/Rødby/Rözke. Die dänische Bahn stellt angesichts Hunderter Flüchtlinge den Zugverkehr von und nach Deutschland ein. Auch eine Autobahn in Richtung Schweden ist abgeriegelt. Ungarn riegelt Fluchtwege ab und diskutiert den Einsatz der Armee.

Die dänische Reisesperre für den Zugverkehrt gilt auf unbestimmte Zeit. Das bestätigte ein Sprecher der Bahngesellschaft DSB der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch.

Zuvor hatte die dänische Polizei an den Grenzen bereits Züge mit aus Deutschland ankommenden Flüchtlingen angehalten und an der Weiterreise nach Schweden gehindert. Viele der Ankömmlinge in Rødby auf der Insel Lolland weigerten sich aber, aus dem Zug auszusteigen. 

Auch deutsche Reisende auf dem Weg nach Dänemark waren betroffen von der Entscheidung der dänischen Behörden, die meisten traf es vermutlich aus heiterem Himmel. Wie lange die Sperrung anhält, ist derzeit noch nicht abzusehen. Über Twitter ließ die Bahn auf Kundenanfragen hin verlauten, sie rechne nicht damit, dass die Strecke am Donnerstag wieder geöffnet werde. 

Flüchtlinge in Padborg bei Flensburg versuchten, ihre Reise zu Fuß über die Autobahn fortzusetzen. Bis Busse bereitstünden, um die Menschen von der Straße wegzubringen, sei die E45 bei Padborg in beide Richtungen gesperrt, teilte die Polizei in Südjütland mit.

In Padborg waren in der Nacht zum Mittwoch und am Morgen etwa 100 Menschen angekommen. Mit dem Zug auf der Fähre erreichten 230 Menschen Rødby. Knapp die Hälfte von ihnen habe nicht aussteigen wollen. "Die Personen sitzen immer noch im Zug, und die Polizei versucht, sie durch Gespräche aus dem Zug zu bekommen und zur Registrierung zu bewegen", hieß es in einer Pressemitteilung am späten Vormittag. "Bislang ist das nicht gelungen."

Polizei in Dänemark hält Flüchtlinge fest

Viele der Flüchtlinge wollen nicht in Dänemark bleiben, sondern nach Schweden weiterreisen, etwa weil sie dort Verwandte haben und hoffen, ihre Familie leichter nachholen zu können. Das könne die Polizei ihnen jedoch nicht erlauben, sagte eine Sprecherin.

Dänemarks Integrationsministerin Inger Støjberg hatte sich am Dienstag vergeblich um ein Sonderabkommen mit Schweden bemüht, um die Menschen in das Nachbarland weiterschicken zu können. "Die schwedische Regierung hat keine rechtliche Befugnis, eine solche Vereinbarung zu treffen", sagte ein Sprecher des schwedischen Justizministeriums am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Nach ihrer Ankunft in Rødby werden die Menschen seit Anfang der Woche zunächst in einer Schule untergebracht. Während Bürger Essen und Kleidung brachten, kam es laut Polizei aber auch zu Zwischenfällen: Demnach sollen einige Demonstranten Steine auf die Neuankömmlinge geworfen haben.

Wenn die Flüchtlinge sich nicht in Dänemark registrieren lassen wollen, schickt die Polizei sie zurück nach Deutschland. Ansonsten werden sie in einer Unterkunft für Asylbewerber nördlich von Kopenhagen untergebracht.

Die Polizei in Ungarn hat derweil in der Nähe der Grenzstadt Röszke die Autobahn M5 für den Verkehr gesperrt. Mehrere Gruppen von Flüchtlingen hatten Polizeiangaben zufolge eine Absperrung durchbrochen und sich zu Fuß auf den Weg nach Budapest gemacht. Zu ihrer eigenen Sicherheit und zur Sicherheit der Autofahrer wurde die Autobahn daraufhin gesperrt. 

Die staatliche Nachrichtenagentur MTI berichtete, dass bis zu 250 Flüchtlinge eine Sammelstelle an der Grenze zu Serbien verlassen hätten. Die Polizei habe die jungen Männer auch mit Absperrungen nicht länger zurückhalten können. Auf der lokalen Nachrichten-Internetseite Index war von 400 Flüchtlingen die Rede, die von dem Sammelplatz aufgebrochen seien. Die Hälfte davon sei in Richtung Autobahn unterwegs, die andere Hälfte auf einer Nebenstraße in Richtung der Stadt Szeged. Die Autobahn M5 führt vom Süden des Landes nach Budapest.

Mit der Armee gegen Flüchtlinge

Die ungarische Regierung will ihr Vorgehen gegen Flüchtlinge verschärfen. Das ungarische Parlament wird nach den Worten des Abgeordneten Gergely Gulyas von der regierenden Fidesz-Partei voraussichtlich am 22. September über den Einsatz der Armee an der Grenze entscheiden. Die Soldaten sollen die Grenzpolizei bei Schutz der Staatsgrenze unterstützen, hieß es.

(dpa/REU)
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