| 06.27 Uhr

Balkanroute
Flucht im Winter - EU warnt vor humanitärer Katastrophe

Flüchtlinge: EU warnt vor humanitärer Katastrophe auf Balkanroute im Winter
Mitarbeiter des Roten Kreuz in Slowenien versorgen eine Gruppe Flüchtlinge. Die EU warnt vor einer angespannten Lage im Winter. FOTO: dpa, ab jak cul
Brüssel. Der ungebremste Flüchtlingsstrom auf dem Balkan hat die EU angesichts des herannahenden Winters alarmiert. Die Staatengemeinschaft müsse alles tun, um zu verhindern, dass Menschen auf ihrer Flucht Richtung Westeuropa erfrieren, sagte Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn.

Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve am Montag nach dem Treffen der EU-Innenminister dazu auf, bereits beschlossene Maßnahmen umzusetzen und Menschen ohne Asylanspruch auch abzuschieben.

Auf dem Treffen berieten die EU-Minister nach den Worten von Asselborn über Flüchtlingszentren auf dem Balkan. Dort könnten Menschen vor ihrer Weiterreise registriert werden; sie müssten aber akzeptieren, ihre Fingerabdrücke zu hinterlassen, sagte Asselborn, der das Treffen geleitete hatte. Das Registrieren anhand von Fingerabdrücken verweigerten Migranten bisher immer wieder.

Hintergrund: So läuft das Asylverfahren ab FOTO: dpa, ua fpt

Cazeneuve kündigte an, dass Frankreich in den kommenden Wochen und Monaten rund 30.000 Flüchtlinge aufnehmen werde. Bereits im September hatten einige EU-Länder beschlossen, 160.000 in Italien und Griechenland gestrandete Flüchtlinge innerhalb der Union umzuverteilen - doch bislang bekamen erst gut 100 Menschen gemäß diesem Plan eine neue Heimat. "Wir müssen uns von den Dutzenden auf Hunderte zubewegen", sagte der für Migration zuständige EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos nach dem Treffen vor Reportern.

Frankreich drängte die EU-Partner, rasch den Grenzschutz zu verschärfen und die Abschiebung von Flüchtlingen zu beschleunigen. Nötig sei echte Kontrolle über die Außengrenzen Europas, sagte Cazeneuve. Dazu müsse die EU-Grenzschutzbehörde Frontex gestärkt werden. Die bat bereits um 775 zusätzliche Beamte, doch bisher schickten die EU-Staaten lediglich die Hälfte. "Solidarität kann nicht funktionieren, wenn wir nicht entschlossen genug sind, die Maßnahmen umzusetzen, die wir bereits beschlossen haben", betonte Cazeneuve.

Von Albanien bis zum Südsudan: Ursachen der großen Flucht FOTO: ALESSANDRO BIANCHI

Das EU-Innenministertreffen sollte dazu dienen, die Reaktion der EU auf die Flüchtlingskrise zu beschleunigen. Dieses Jahr haben offiziellen Angaben zufolge bereits 770.000 Menschen auf dem Seeweg und anschließend zu Fuß über den Balkan die Europäische Union erreicht. Ihre große Zahl überforderte vielerorts Grenzbeamten und Aufnahmekapazitäten.

Ungarn will nun 50 Polizisten nach Slowenien schicken, um dem Nachbarland beim Umgang mit dem Flüchtlingsstrom zu helfen. Innenminister Sandor Pinter sagte bei der Verabschiedung der Beamten am Montag, diese unterstützten den Schutz der slowenischen Grenze.Dies helfe auch Ungarn und der Europäischen Union.

Brennpunkte: Die Flüchtlingsbrennpunkte Europas FOTO: dpa, kc jak

Ungarn hatte in den vergangenen Wochen seine Grenzen zu Serbien und zu Kroatien abgeriegelt und damit den großen Flüchtlingstreck nach Slowenien umgeleitet. Das kleine EU-Mitgliedsland fühlt sich überfordert. Bis letzte Woche nahm es 126.000 Menschen in Empfang. Die meisten durchqueren Slowenien und reisen weiter nach Österreich, Deutschland und Schweden.

Liebe Leserinnen und Leser,
Ihre Meinung zu RP Online ist uns wichtig. Anders als sonst bei uns üblich gibt es allerdings an dieser Stelle keine Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen. Zu unserer Berichterstattung über die Flüchtlingskrise haben wir zuletzt derart viele beleidigende und zum Teil aggressive Einsendungen bekommen, dass eine konstruktive Diskussion kaum noch möglich ist. Wir haben die Kommentar-Funktion bei diesen Themen daher vorübergehend abgeschaltet. Selbstverständlich können Sie uns trotzdem Ihre Meinung sagen – per Facebook oder per E-Mail.

(ap)