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Räumung des Flüchtlingslagers
Idomeni – Schluss mit der zynischen Inszenierung

Fotos: Idomeni - griechische Polizei beginnt mit Räumung
Fotos: Idomeni - griechische Polizei beginnt mit Räumung FOTO: dpa, yk ase
Meinung | Berlin. Die griechischen Behörden haben nach Monaten mit der Räumung des provisorischen Flüchtlingslagers Idomeni an der mazedonischen Grenze begonnen. Und das ist auch gut so. Von Gregor Mayntz

Aus dem Rückstau nach dem Dichtmachen der Grenze war ein politisches Manifest geworden. Und ein bequem zu erreichendes Symbol: Medien der Welt, wenn ihr Bilder von den grausamen Folgen der Festung Europa wollt, schaut auf diese Lagerstadt, in der zeitweise über zehntausend Verzweifelte unter unmenschlichen Bedingungen campierten. Hierhin reisten ehrlich Hilfsbereite und politisch Aufgeladene. Hier nächtigte Norbert Blüm, um gegen die Behandlung der Menschen zu protestieren.

Wiederholt hatten die Lagernden Angebote ausgeschlagen, in feste Unterkünfte in der Umgebung zu wechseln. Sie begründeten das mit der Hoffnung darauf, dass die Grenze doch wieder geöffnet würde und sie dann zu den ersten gehören wollten, die auf dem ursprünglich geplanten Weg vorankommen. Sie lagerten auch auf den Schienen, auf denen Waggons für die Flüchtlinge bereitgestellt wurden. Dass dies wegen des zusammenbrechenden mazedonisch-griechischen Handels Millionenverluste für Geschäftsleute und Betriebe der Region bedeutete, wurde dem Interesse an einem Stopp des Flüchtlingsstroms untergeordnet.

Diese Flüchtlingskinder wurden in Idomeni geboren FOTO: ap

Und noch ein anderes Interesse kam unter die Räder: Das Interesse an Sicherheit und Ordnung in Idomeni unterlag der Befürchtung, dass jede erzwungene Beendigung des Lagers zu Gewaltausbrüchen führen würde. Diese Grundeinstellung führte dazu, dass die Sicherheitskräfte stets beide Augen zudrückten. Ergebnis: Die Unterwelt erlangte immer wieder die Oberhand. Gewalt, Prostitution und Drogenhandel machten sich breit.

Deshalb ist es gut, wenn die griechischen Behörden die Dinge nun auch im Schlamm von Idomeni in den Griff zu bekommen versuchen. Das kann jedoch nur der erste Schritt sein. Die europäische Solidarität ist auch und gerade in den neuen Unterkünften von Idomeni gefragt. Die Menschen haben Anspruch auf geordnete Asylverfahren und klare, verbindliche Auskunft über ihre Zukunftschancen innerhalb der Europäischen Union – oder eben eine organisierte Rückführung.

So lange die EU im Zusammenhang mit der aktuellen Flüchtlingsdynamik Zustände von Illegalität duldet, signalisiert sie letztlich den Schleppern, ihrer menschenverachtenden Kreativität freien Lauf zu lassen. Aber nur mit dem Gegenteil, einem geordneten Umgang, lassen sich die richtigen Signale aussenden – und die letztlich zynische mediale Inszenierung   enttäuschter Hoffnungen beenden.

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