Die Europawahl gilt als wichtiger Stimmungstest für den Urnengang zum Bundestag im kommenden September. Wir zeigen Ihnen Gewinner und Verlierer.
Bundeskanzlerin Angela Merkel dürfte mit dem Ergebnis zufrieden sein. Fast 40 Prozent der Wähler gaben den Unionsparteien ihre Stimme. Im Vergleich zur letzten Wahl wurden Verluste der Union bereits erwartet.
Damit schickt die Union um Spitzenkandidat Hans-Gert Pöttering die meisten deutschen Abgeordneten nach Straßburg. Ganz klar: Die Christdemokraten sind die Gewinner der Europawahl und dürften mit dem Ergebnis Rückenwind für die anstehenden Abstimmungen bekommen.
Für die SPD ist die Europawahl von großer Bedeutung: Können die Genossen um Parteichef Franz Müntefering den Abstand auf die Union verkleinern, wäre das ein positives Zeichen.
Doch Spitzenkandidat Martin Schulz musste eine Schlappe hinnehmen: Die SPD liegt knapp über 20 Prozent und damit auf einem ähnlich desaströsen Niveau wie 2004.
Die FDP um Parteichef Guido Westerwelle befand sich zuletzt im Aufwind. Das jetzige Ergebnis ist das beste in der Geschichte der Liberalen: über zehn Prozent. In den Umfragen steht die FDP allerdings besser da.
Vielleicht war es die Affäre um Spitzenkandidatin Silvana Koch-Mehrin, die einige Stimmen kostete: Ihre Anwesenheitsquote im EU-Parlament gab Anlass zu Kritik.
Die Grünen haben sich mit ihren Spitzenkandidaten Reinhard Bütikofer und Rebecca Harms im Rahmen der Erwartungen geschlagen: Mehr als zehn Prozent waren in der Vergangenheit wiederholt vorausgesagt worden.
Das dürfte Parteichef Cem Özdemir Rückhalt für die kommenden Wahlen geben. Das Ziel, drittstärkste Kraft zu werden, haben die Grünen erreicht.
Einen Dämpfer gab es auch für die Linke: In den Prognosen liegt die Partei mit ihrem Spitzenkandidaten Lothar Bisky stets bei über zehn Prozent, nun wird diese Marke wohl deutlich unterboten - trotzdem legt die Partei im Vergleich zu 2004 zu.
Das jetzige Ergebnis ist keine gute Voraussetzung für Parteichef Oskar Lafontaine, der im Saarland Ministerpräsident werden will.
Aufatmen hingegen bei der CSU: Die Partei um ihren Chef Horst Seehofer war mit einer eigenen Liste angetreten und musste deutschlandweit die Fünf-Prozent-Hürde nehmen.
Das ist den Christsozialen mit Spitzenkandidat Markus Ferber (links) offenbar locker gelungen. Seehofer hat damit seinen ersten wichtigen Erfolg nach dem Debakel bei den Landtagswahlen erreicht.