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Athens Finanzminister tritt zurück
Giannis Varoufakis – die griechische Reizfigur

Porträt: Varoufakis – Medienexperte und Ex-Finanzminister
Porträt: Varoufakis – Medienexperte und Ex-Finanzminister FOTO: dpa, el ase
Athen. 2Das Problem war nicht Varoufakis, das Problem ist weniger einfach als das", kommentierte der italienische Außenminister Paolo Gentiloni den Rücktritt des griechischen Finanzministers. Und dennoch war Giannis Varoufakis für viele in der EU eine Reizfigur, mit der wohl kaum noch einer verhandeln wollte. Von Dana Schülbe

"Kein Minister mehr!" – Mit diesen drei Worten und einem Verweis auf seinen Blog kündigte Giannis Varoufakis via Twitter seinen Rücktritt an. Und das ausgerechnet am Tag nach dem Sieg für die griechische Regierung. Schließlich hatte das griechische Volk mit seinem mehrheitlichen "Nein" zu den Gläubiger-Vorschlägen den Kurs der Regierung und insbesondere den von Varoufakis unterstützt.

Denn er war es vor allem, der sich in der Vergangenheit immer wieder als der "harte Hund" gezeigt hatte, der kaum noch einen Kompromiss auf europäischer Ebene eingehen wollte. Ein Polit-Rebell, der dieses Image von Anfang an gepflegt hatte. So geriet der linke Wirtschaftsprofessor schon zu Beginn seiner Amtszeit mit den Gläubigern in Brüssel aneinander. 

Bei seinem ersten Treffen mit dem Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem im Januar etwa hatte er verkündet: "Unser Land weigert sich, mit der Troika zu kooperieren." Angesichts dessen mieden die Gläubiger schließlich das Wort, sprachen nur noch von den Institutionen. Doch auch in den folgenden Verhandlungen brachte der 53-Jährige seine Gesprächspartner immer wieder zur Weißglut – insbesondere Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Wenn er nach Zahlen gefragt wurde, wich er gern aus und sagte: "Lasst uns doch nicht so technisch werden." 

Im Februar dann zog er in letzter Minute nach stundenlangen Verhandlungen seine Zustimmung zu einer Erklärung zurück – nachdem Finanzminister Schäuble bereits das Treffen verlassen hatte. Zuletzt hielt er der EU in der Zeitung "El Mundo" "Terrorismus" vor, und in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" warf er Schäuble vor, schon 2012 deutlich gemacht zu haben, den Grexit zu bevorzugen. Auch drohte er mit einer Klage gegen einen möglichen "Grexit".

Überhaupt verstand es Varoufakis wie kein anderer, sich in den Medien zu inszenieren. Seit Jahren schon betreibt er einen Blog – auf Englisch, jenen, auf dem er auch die Gründe für seinen Rücktritt darlegte. Auch auf Twitter ist er aktiv, kommentiert dort gern die aktuellen Entwicklungen. Und immer wieder gab er während der Verhandlungen Interviews oder schrieb Gastbeiträge insbesondere in deutschen Zeitungen.

Weniger Erfolg hatte der Mann, der nie eine Krawatte trägt, mit einer solchen Inszenierung aber im März dieses Jahres, als er sich mit seiner Frau Danae im Magazin "Paris Match" für eine Hochglanz-Story ablichten ließ – am Klavier, auf der Dachterasse und das alles in seiner teuren Wohnung im teuersten Athener Stadtteil. Für diese Bilder entschuldigte er sich später. 

Unvergessen auch die Stinkefinger-Affäre bei Günther Jauch. Zugeschaltet zu dem ARD-Talk musste sich der Syriza-Politiker, der dem linken Flügel der Partei zuzurechnen ist, einen Videoausschnitt anschauen, in dem er den Stinkefinger zeigte. Die Redaktion von Jauch stellte dies in einen falschen Zusammenhang, und Varoufakis blieb steif und fest bei der Behauptung, dass das Video eine Fälschung sei. Der Satiriker Jan Böhmermann machte die Verwirrung perfekt. 

Und so war es kaum verwunderlich, dass Varoufakis, der seine rebellische Art auch gern mit Bildern auf dem Motorrad unterstrich, auch seinen Abschied nicht ohne eine gewisse Dramatik verkünden konnte. Denn ihm scheint, so kann man es aus seinem Blog entnehmen, durchaus nicht entgangen zu sein, wie schwer sein Stand zuletzt bei den Gläubigern war. Aber er werde "die Abscheu der Gläubiger mit Stolz tragen".

mit Agenturmaterial

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