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Griechenland
Der schwere Weg der Kriegsflüchtlinge in ein sicheres Land

Flüchtlingselend auf Kos
Flüchtlingselend auf Kos FOTO: ap
Athen. Tausende Flüchtlinge gelangen über die Türkei auf die griechischen Inseln der Ägäis. Die Behörden der Inseln, die fast ausschließlich vom Tourismus leben, sind damit überfordert. Die Flüchtlinge wollen möglichst rasch weiter auf das europäische Festland. 

Das "Paradies Europa" hatten sie sich wahrscheinlich anders vorgestellt. 53 Flüchtlinge sind auf einem kleinen, unbewohnten Eiland nahe der griechischen Ägäis-Insel Alonnisos gestrandet. Ein Schlepper hatte die Syrer nach einem Bericht des staatlichen griechischen Rundfunks ERT auf dem kargen und felsigen Inselchen abgesetzt und sich davongemacht. Unter den Flüchtlingen waren auch acht kleine Kinder im Alter zwischen einem und sechs Jahren.

Um auf sich aufmerksam zu machen und Hilfe herbeizurufen, setzten die Menschen Gräser und Büsche in Brand. Die Flammen breiteten sich rasch aus. "Wenn es etwas windiger gewesen wäre, hätte das Feuer auch den Flüchtlingen gefährlich werden können", berichtete der Sender. Beamte der Hafenbehörde auf Alonnisos bemerkten das Feuer und sorgten dafür, dass die Flüchtlinge an Bord einer Fähre gebracht und so in den Hafen von Volos in Mittelgriechenland transportiert werden konnten.

So verteilen sich Flüchtlinge auf Europa

Andere Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten gelangen von den griechischen Ägäis-Inseln weniger rasch auf das Festland. Tausende harren auf Ferieninseln wie Rhodos, Kos, Samos, Chios oder Lesbos in provisorischen Unterkünften, in Sportstadien oder im Freien aus. Damit sie auf das griechische Festland fahren dürfen, müssen sie zuvor registriert werden.

Auf Kos, wo die Lage der Kriegsflüchtlinge sich in den vergangenen Tagen dramatisch zugespitzt hatte, verlangte der Hoteliersverband eine drastische Verstärkung der Polizeikräfte. "Neun Beamte der Ausländerpolizei müssen sich um Tausende von Flüchtlinge kümmern." Dies habe zur Folge, dass die Asylbewerber für ihre Registrierung stundenlang in der prallen Sonne ausharren müssten, was dann zu Spannungen und gewaltsamen Zwischenfällen führe.

Flüchtlinge auf der griechischen Urlaubsinsel Kos FOTO: ap

Die griechische Regierung schickte eine Fähre nach Kos, auf der etwa 2500 Flüchtlinge provisorisch untergebracht werden. Sie traf am Freitag ein. Nach übereinstimmenden Berichten der griechischen Medien sollen die Flüchtlinge so lange auf dem Schiff wohnen bis der Prozess der Registrierung und andere Formalien abgeschlossen seien. Dies könne etwa zwei Wochen dauern. Die Verwaltung der Inselhauptstadt kündigte an, dass es ab Montag in den Parks und auf den Gehwegen keine Zelte mit Flüchtlingen mehr geben werde.

Polizei- und Hafenbeamte reagierten jedoch mit Skepsis. "Wenn viele Menschen unterschiedlicher Nationalitäten in geschlossenen, engen Räumen untergebracht werden, entstehen nach unserer Erfahrung rasch Spannungen, die an Bord eines Schiffes kaum unter Kontrolle gebracht werden können", warnte ein Beamtenverband. "Die Fähre sollte besser für den Transport der Flüchtlinge auf das Festland genutzt werden."

Flüchtlinge – erschütternde Bilder aus aller Welt FOTO: afp, MM

Auf der Insel Lesbos wurde das Verfahren der Registrierung beschleunigt, aber nun stellt sich ein neues Problem: Die Flüchtlinge finden keinen Platz auf den Fähren nach Piräus, weil die Schiffe in der Hauptreisesaison von Urlaubern ausgebucht sind.

"Wir haben 1700 Flüchtlinge registriert, aber sie können die Insel nicht verlassen, weil es für sie keine Tickets gibt", beklagte die Chefin der Provinzverwaltung, Christina Kalogirou, in der Zeitung "Kathimerini". "Auf den Inseln der nördlichen Ägäis leben 298.000 Menschen. Seit Anfang dieses Jahres haben wir 119.000 Flüchtlinge aufgenommen", berichtete die Verwaltungschefin. "Das überschreitet unsere Möglichkeiten."

(dpa)
 
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