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Massendemonstrationen
In Athen demonstrieren am Abend beide Lager

"Oxi" gegen "Naí" - Griechen protestieren vor dem Referendum
"Oxi" gegen "Naí" - Griechen protestieren vor dem Referendum FOTO: afp, le
Athen. Zehntausende Menschen strömen am Freitagabend zu Demonstrationen auf die Straßen und Plätze Athens. Die eine Hälfte will das "Nein", die andere das "Ja" beim Referendum. Im Lager der Gegner hat auch Gregor Gysi seinen Auftritt.

Rund 25.000 Menschen haben in Athen nach Angaben der Polizei für ein "Nein" bei dem Referendum vom Sonntag demonstriert.
Sie versammelten sich am Freitagabend auf dem Syntagma-Platz. Andere Schätzungen sprachen von 30.000 Teilnehmern.

Unter ihnen war auch der deutschen Linke-Politiker Gregor Gysi. Mehrere deutsche Reporter beobachteten seinen Besuch und dokumentierten das bei Twitter. Eine Kollegin des "Tagesspiegel" registrierte großen Applaus. Zitat Gysi: "Eure Regierung kämpft wie David gegen Goliath und muß gestärkt werden."

Einen großen Auftritt hatte auch Ministerpräsident Alexis Tsipras. "Am Sonntag werden wir nicht nur einfach über unseren Verbleib in Europa entscheiden, sondern über die Frage, ob wir mit Würde in Europa bleiben", sagte Tsipras am Freitagabend bei einer Kundgebung auf dem Syntagma-Platz.

Zeitgleich demonstrierten rund 17 000 Menschen außerhalb des Panathinaiko-Stadions für ein "Ja" bei der Volksabstimmung.

Der Freitag war der letzte Tag, an dem die Politiker um die Stimmen der Wähler warben. Vereinzelt kam es bei den Demonstrationen zu  Zusammenstößen mit der Polizei. Unter anderem zündeten Autonome auf dem Syntagma Mülltonnen an.

Nimmt man die Zahlen der Massenproteste zum Maßstab, spräche das für einen deutlichen Erfolg für die Gegner der Sparauflagen. Den Umfragen nach wird es aber deutlich knapper. So lagen in aktuellen Erhebungen vom Freitag die Lager der "Ja"- und der "Nein"-Wähler nahezu gleichauf.

Ministerpräsident Alexis Tsipras forderte die Griechen erneut auf, mit "Nein" gegen Spar- und Reformauflagen der Geldgeber zu stimmen und damit ein Votum gegen "Ultimaten, Spaltung und Angst" abzugeben. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem warf ihm vor, die Wähler zu täuschen.

Ein Nein der Griechen würde die Verhandlungsposition des Landes "dramatisch schwächen", sagte auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. "Selbst im Fall eines Ja-Votums stehen wir vor schwierigen Verhandlungen", fügte Juncker hinzu.

Am Abend wies das oberste Verwaltungsgericht Griechenlands zwei Klagen gegen das Referendum ab. Damit kann es am Sonntag stattfinden.

(ap)
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