Interview mit Professor Hans-Werner Sinn: "Griechenland muss aus dem Euro raus"
VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 26.01.2012 - 16:02Berlin (RPO/RP). Der Münchner Wirtschaftsforscher Hans-Werner Sinn (Ifo-Institut) verteidigt die Europa-Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Interview mit unserer Redaktion. Eine Lösung der europäischen Schuldenkrise geht nach seiner Ansicht nach nur noch mit einem Austritt Griechenlands aus dem Euro-Verbund.
Hat Angela Merkels Europa-Politik die Krise verschärft oder ist sie mit ihrer Konsolidierungspolitik auf dem richtigen Weg?
Sinn Die Krise hat ihre Ursache in der Überschuldung der südlichen Länder. Daran hat Frau Merkel keine Schuld. Was als Verschärfung der Krise verstanden wird, ist der Durchbruch der Wahrheit. Natürlich könnte Frau Merkel mithelfen, die Wahrheit weiter zu kaschieren, indem sie die deutschen Steuereinnahmen auf viele Jahre hinaus für die Luxemburger Bad Bank verpfändet, wie es die Kapitalanleger und ihre Schuldner in den südlichen Ländern wollen. Ich bin froh, dass sich Frau Merkel bislang weigert.
Wie lässt sich das Vertrauen der Finanzmärkte zurückgewinnen?
Sinn Dadurch, dass wir ihnen die toxischen Staatspapiere der Südländer abkaufen. Ich halte dies nicht für eine Zielsetzung, die sich die deutsche Politik zu eigen machen sollte. Die Kapitalmärkte werden zwar Jubelschreie von sich geben, doch noch im selben Atemzug Anweisung geben, dass ihre Gelder aus Deutschland abgezogen werden. Die Rating-Agenturen werden auch nicht lange mit der Abwertung Deutschlands warten.
Lässt sich die europäische Schuldenkrise noch mit Griechenland in der Euro-Zone lösen?
Sinn Nein, dafür gibt es keinerlei Chancen. Griechenland muss um 30 Prozent billiger werden, wenn es seine Wettbewerbsfähigkeit wiedererlangen will. Das geht nur durch Austritt und Abwertung.
Kanzlerin Merkel verordnet Europa einen Sparkurs. Führt uns das in die Rezession?
Sinn Nein, aber es verhindert natürlich nicht die Rezession der anderen Länder. Maßnahmen, die den Kreditfluss von Deutschland in die Krisenländer mit öffentlichen Mitteln wiederherstellen, führen in Deutschland zur Flaute, wenn nicht Rezession. Der Grund dafür, warum es Deutschland gut geht, ist dass sich das die Banken und Versicherungen nicht mehr trauen, das deutsche Sparkapital in anderen Ländern zu investieren, sondern es den deutschen Bauherren und der Industrie für die Investition in Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Wenn wir den Abfluss der Spargelder mit unseren Garantien erleichtern, zerstören wir die Kräfte, die die das deutsche Wachstum tragen.
Das Gespräch führte Michale Bröcker
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