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Spanien, Irland und Co.
Wie die anderen Krisenländer das Griechenland-Drama bewerten

Griechische Rentner strömen zu den Banken
Griechische Rentner strömen zu den Banken FOTO: afp, am/JK
Berlin. Sorge und Unverständnis hat das endlose griechische Schuldendrama in anderen Euroländern ausgelöst. Die Befürchtung vor allem im restlichen Südeuropa: Die Zuspitzung des Schuldenstreits könnte die wirtschaftliche Erholung dort gefährden – und damit auch Erfolge eigener Spar- und Reformanstrengungen zunichtemachen. Ein Überblick.

In Italien ist die Angst vor einer "Ansteckung" aufgeflammt, doch die Regierung beruhigt. Ministerpräsident Matteo Renzi sagte der Zeitung "Il Sole 24 Ore", Italien sei aus der Schusslinie. "In der Vergangenheit gehörten wir zu den Problemen, jetzt zu denjenigen, die sie zu lösen versuchen." Finanzminister Pier Carlo Padoan erklärte, Italien sei gefestigter als 2011.

Die Wirtschaftslage in Italien ist jedoch alles andere als rosig. Zwar ist die Wirtschaft im ersten Quartal 2015 erstmals seit Jahren wieder gewachsen – allerdings nur minimal. Und die Verschuldung des Landes liegt bei 130 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, die Arbeitslosigkeit über  zwölf Prozent.

Spaniens konservativer Ministerpräsident Mariano Rajoy versichert: "Die Spanier können beruhigt sein." Eine Krise wie die griechische sei in Spanien nicht möglich. Wirtschaftsminister Luis de Guindos hob hervor, keine Volkswirtschaft der Euro-Zone wachse zur Zeit stärker als die spanische. Die Lage der Banken habe zudem "mit derjenigen von vor drei Jahren überhaupt nichts mehr zu tun".

2012 hatte Madrid nach dem Kollaps des Immobiliensektors für den Bankensektor Hilfskredite von rund 41 Milliarden Euro in Anspruch nehmen müssen.

Vorsichtiger als Rajoy äußert sich in Portugal Amtskollege Pedro Passos Coelho. Niemand sei gegen die aktuellen und künftigen Folgen der Griechenland-Krise gewappnet. Vor dem Hintergrund zunehmender Medienspekulationen versicherte Passos diese Woche aber, sein Land werde "auf keinen Fall unvorbereitet erwischt werden".

Nach drei Jahren unter dem Euro-Rettungsschirm steht Portugal seit Mai 2014 finanziell wieder auf eigenen Beinen. 2011 war das Land mit einem 78 Milliarden Euro schweren Hilfspaket vor der Pleite bewahrt worden.

In Irland hat man kaum noch Verständnis für Athen – die Iren gelten schließlich als Rettungs-Musterschüler. Von den drastischen Kürzungen haben sich Teile der Bevölkerung bis heute nicht erholt. Medien stellen die "irische Art" des Umgangs mit der Schuldenkrise der "griechischen Art" gegenüber.

Dass Irland besonders streng mit Griechenland sei, bestreitet Ministerpräsident Enda Kenny. Einen Schuldenschnitt lehnt er aber ab – schon weil die finanziell immer noch angeschlagenen Iren mit 350 Millionen Euro als Gläubiger beteiligt sind. Die Regierung beruhigt, eine "Ansteckung" sei nicht zu befürchten.

(dpa)
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