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Hacker für Parallel-Bankensystem beauftragt
Giannis Varoufakis soll an geheimem Grexit-Plan gearbeitet haben

Porträt: Varoufakis – Medienexperte und Ex-Finanzminister
Porträt: Varoufakis – Medienexperte und Ex-Finanzminister FOTO: dpa, el ase
Athen. Auch nach seinem Rücktritt sorgte der frühere griechische Finanzminister Giannis Varoufakis für Wirbel. Laut einem griechischen Medienbericht soll unter seiner Leitung ein geheimes Team Planungen für einen Grexit erarbeitet haben – und zwar auch mit einem Hacker, mit dessen Hilfe ein Parallel-Bankensystem aufgebaut werden sollte. Von Dana Schülbe

Die griechische Zeitung "Kathimerini" berichtet von einer Telefonkonferenz Varoufakis mit Vertretern eines internationalen Hedgefonds vom 16. Juli – also wenige Tage nach seinem Rücktritt –, in der er von solchen Planungen berichtet haben soll, und druckt einen Teil des Gespräches ab. Demnach soll Varoufakis im Dezember vergangenen Jahres, noch bevor Syriza an die Macht kam, vom heutigen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras den Auftrag erhalten haben, ein paralleles Bankensystem aufzubauen, um die Drachme, falls nötig, über Nacht wieder einführen zu können. "Wir hatten einen Plan B", zitiert die Zeitung aus dem Gespräch Varoufakis.

Demnach habe es ein kleines geheimes Team gegeben, dass sich Zugang zur zentralen Steuerbehörde verschaffen sollte, welches unter Kontrolle der internationalen Gläubiger stand. Dieses sollte die Daten von Steuerzahlern und auch Unternehmen nutzen, um eben jenes paralleles Bankensystem aufzubauen. Das hätte es den Bürgern möglich gemacht, Transaktionen durchzuführen, falls die griechischen Banken durch die Europäische Zentralbank geschlossen würden. "Wir planten, heimlich Reservekonten für jede Steuernummer zu erstellen – ohne jemandem etwas zu sahen, nur um ein funktionierendes System unter Verschluss zu haben", wird Varoufakis zitiert.

Das A und O der Griechen-Krise

Um sich Zugang zu den Daten des Steuersystems zu verschaffen, habe er einen Jugendfreund, einen IT-Professor an der Columbia-Universität engagiert, der sich in das System hacken sollte, schreibt die Zeitung weiter. Eine Woche, nachdem er Finanzminister geworden sei, habe dieser Freund dann Varoufakis angerufen und gesagt, er habe die Kontrolle über die Hardware, aber nicht über die Software, "welche der Troika gehört".

Via Twitter reagierte der ehemalige Finanzminister auf die Berichte und schrieb, er sei beeindruckt von der Vorstellungskraft seiner Verleumder.

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Griechenland: Die wichtigsten Personen am Verhandlungstisch FOTO: dpa, soe kno

 

Dem britischen "Telegraph" bestätigte Varoufakis allerdings, dass die Zitate aus dem Gespräch korrekt seien, aber die griechische Presse habe einige Aussagen verdreht, sodass der Eindruck entstanden sei, man habe von Anfang an eine Rückkehr zur Drachme geplant.

"Der Kontext des Ganzen ist, dass sie mich als einen Schurken hinstellen wollen", sagte Varoufakis der Zeitung. Bei den Überlegungen habe es sich nur um einen Alternativplan gehandelt. 

Weitere Informationen zur Krise in Griechenland in unserem Dossier.

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