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"March of Hope"
Rätselhaftes Blüm-Flugblatt zeigte Flüchtlingen den Weg

Flüchtlinge brechen trotz geschlossener Balkanroute auf
Flüchtlinge brechen trotz geschlossener Balkanroute auf FOTO: dpa, gl bjw
Athen. Ein Flugblatt mit einer Landkarte hat offenbar dazu beigetragen, dass sich am Montag Tausende Flüchtlinge aus dem Camp bei Idomeni auf den Weg zur Grenze machten. Bei Twitter kursieren Fotos: Demnach ist es mit "Kommando Norbert Blüm" unterzeichnet. Der Ex-Minister distanziert sich. 

"Wir haben in unseren Händen Flugblätter, die zeigen, das das eine organisierte Aktion war", erklärte am späten Montagabend der Sprecher des Krisenstabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis, in Athen. Zuvor hatte er an einer Dringlichkeitssitzung unter Vorsitz des griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras teilgenommen. Wer hinter der Aktion gesteckt habe, war zunächst unklar.

Zudem gebe es auch andere Flyer, die die Migranten falsch informieren und sie auffordern, nicht in andere Lager ins Landesinnere zu gehen. Sie sollten nicht in Busse steigen, weil die Regierung in Athen plane, sie zurück in die Türkei zu bringen, hieße es darin, sagte Kyritsis weiter.

"Wir fordern die Migranten und Flüchtlinge auf, den griechischen Behörden zu vertrauen und es zu akzeptieren, in andere Lager gebracht zu werden. Die Lage im Flüchtlingslager Idomeni sei "absolut aussichtslos", erklärte der Sprecher des Krisenstabes weiter.

Griechische Medien veröffentlichten Kopien der Flugblätter, die Unbekannte an die Migranten verteilt hatten. Darin ist der Weg eingezeichnet, wie die Migranten den mazedonischen Zaun meiden können und über Umwege nach Mazedonien einreisen können.

Auch bei Twitter kursieren Aufnahmen, die angeblich die Karte zeigen. Der Text ist in arabischer Schrift verfasst. Nur unten rechts findet sich in lateinischer Schrift in Blockbuchstaben der Vermerk "Kommando Norbert Blüm." Wer dahinter steckt, ist zur Stunde ein Rätsel. Nach Informationen von bild.de prüfen mazedonische Sicherheitsbehörden, ob das Blatt von Deutschen verfasst und in Umlauf gebracht wurde. 

Der Verweis auf Norbert Blüm ist nicht ohne Grund. Der ehemalige Bundesarbeitsminister hatte aus Solidarität mit den Flüchtlingen im Flüchtlingslager von Idomeni in einem Zelt übernachtet.

Blüm reagierte am Dienstagvormittag und distanzierte sich von dem Flugblatt. "Ich habe Verständnis für die Verzweiflungstat, die ich jedoch nicht initiiert habe", sagte Norbert Blüm der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Bis zu 2000 Flüchtlinge schafften Medienberichten zufolge am Montag trotz der gesperrten Grenze die illegale Einreise von Griechenland nach Mazedonien. Mazedonien hat allerdings nach eigenen Angaben rund 600 Migranten nach Griechenland zurückgeschickt, die sich aus Idomeni über die Grenze durchgeschlagen haben. Die meisten der Flüchtlinge seien noch am Montag oder in der Nacht mit Lastwagen zurück nach Griechenland gebracht worden, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag.

Der Inhalt des Flugblatts

Der Text der Flugblätter laut einer in der griechischen Presse veröffentlichten Übersetzung aus dem Arabischen:

1. Die griechisch-mazedonische Grenze ist und wird zu bleiben

2. Es gibt keine Busse oder Züge, die Sie nach Deutschland bringen werden.

3. Es ist sehr gut möglich, dass wer in Griechenland bleibt (am Ende)
in die Türkei abgeschoben wird.

4. Wer es schafft illegal in einem anderen Staat Mittel- oder Osteuropas zu reisen, wird bleiben können. Deutschland akzeptiert noch Flüchtlinge.

5. Es ist möglich, dass das Lager von Idomeni in den kommenden Tagen evakuiert wird. Möglicherweise werden Sie dann in andere Lager gebracht und danach in die Türkei ausgewiesen.

Die Lösung:

1. Der Zaun, der vor Ihnen steht, soll Sie in die Irre führen, damit Sie glauben, die Grenze sei geschlossen.

Der Zaun endet fünf Kilometer von hier. Danach gibt es keinen Zaun, der Sie daran hindern könnte, nach Mazedonien zu reisen. Sie können hier rübergehen (schauen Sie auf die Karte)

2. Wenn Sie sich in kleinen Gruppen bewegen, werden Sie von der mazedonischen Polizei oder der Armee festgenommen und nach Griechenland zurückgebracht. 

3. Wenn Sie aber zu Tausenden versuchen gleichzeitig über die Grenze zu kommen, wird die Polizei Sie nicht stoppen können.

Lasst uns alle um 14.00 Uhr im Camp (von Idomeni) treffen. Bitte schauen Sie auf die Karte, um den Weg zum Treffpunkt zu sehen.

(pst/felt/dpa/KNA)
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