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Hotel "Captain Elias" auf Kos
Im Lager der Armen fehlt es an allem

Flüchtlinge im Hotel "Captain Elias" auf Kos
Flüchtlinge im Hotel "Captain Elias" auf Kos FOTO: dpa, ase
Kos. Hunderte Flüchtlinge kommen täglich auf der griechischen Insel Kos an. Längst ist die Insel überfüllt. Das zeigt sich an einem Ort wie unter einem Brennglas: Im Hotel "Captain Elias" haben Flüchtlinge noch nicht einmal das Nötigste zum Leben. Von Dana Schülbe

Auf den Außengängen, die zu den Zimmern führen, liegt Matratze neben Matratze. Die Fensterscheiben sind zerbrochen, überall liegen Scherben herum. Ein Mann schläft mitten auf der früheren Rezeption, andere – auch Kinder – auf einer dünnen Decke, die sie auf den Steinfliesen ausgebreitet haben.

Wer keinen Platz im Haus gefunden hat, kommt im ehemaligen Hotel-Garten unter – in einem Zelt oder in einer aus Pappe und Ästen zusammengezimmerten Hütte. An Zäunen, Palmen oder Fensterläden hängen Wäschestücke zum Trocknen. Die Felder nahe des Hotels dienen als Toiletten.

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So sieht es derzeit im "Captain Elias" aus, einem ehemaligen heruntergekommenen Hotel auf der Ägäis-Insel Kos. Hunderte Flüchtlinge leben dort, Elektrizität gibt es nicht, die Menschen kochen deshalb etwa an offenem Feuer.

Das Gebäude ist keine offizielle Flüchtlingsunterkunft, und doch findet man hier viele der Gestrandeten, die auf ihre Registrierungspapiere warten. Zehn bis 15 Tage bleiben die Menschen im Schnitt an diesem Ort, wie die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen sagt. Die Organisation versucht genau wie einige Freiwillige (Touristen oder Einheimische) die Flüchtlinge mit Nahrungsmittel oder Medikamenten zu versorgen.

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"In vier Tagen ist niemand gekommen, um uns Essen zu bringen", sagte der 25-jährige Ersha aus Afghanistan der Nachrichtenagentur AFP. "Und wenn jemand kommt, ist es nie genug. Wir sind zu viele Menschen hier." Behna aus dem Iran sagte: "Die Situation ist sehr schlecht. Nachts haben wir keinen Strom, sodass wir alle um sieben oder acht Uhr schlafen gehen. Es ist sehr traurig."

"Es gibt kein System für Verteilung von Lebensmitteln für die Menschen im Captain Elias", sagte Stella Nanou, Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerk, der AFP. "Es ist keine offzielle Unterkunft. Wie rufen die Verantwortlichen auf, einen Ort zu bestimmen, an den die Menschen gehen können." Einige konnten dies inzwischen.

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Denn angesichts der angespannten Lage auf der Insel hat die Regierung eine Fähre gechartert, die im Hafen von Kos-Stadt liegt und als Registrierungsort für die Flüchtlinge dient. Dort können sie auch bleiben, bis der gesamte Prozess abgeschlossen ist. Allerdings ist dies nur für syrische Flüchtlinge gedacht. Und so sind es jetzt vor allem Iraker, Pakistani oder Afghanen, die im "Captain Elias" weiter ihre Bleibe haben.

So wie die 16-jährige Murcal Rezai, die mit der Nachrichtenagentur Reuters sprach. "Es gibt keinen Strom, keinen Ort für Kinder, keine Privatsphäre", sagte sie. "Die Situation ist schwierig, wenn so viele verschiedene Kulturen zusammenleben, ist das nicht einfach." Auch deshalb hat die Organisation Ärzte ohne Grenzen ein Zelt im Garten des Hotels aufgeschlagen, in dem ein Psychologe Unterstützung für die Menschen anbietet, so Reuters.

Und doch bleibt es für die Menschen auch ein Ort der Hoffnung, Hoffnung auf eine bessere Zukunft. "Captain Elias ist das Lager der Armen", sagte der 22-jährige Ulan Mustafa aus Pakistan Reuters. Aber er sagt eben auch: "Wenn das Captain Elias schließt, kann ich mir nicht vorstellen, was wir tun werden."

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