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Flüchtlingskrise
Österreich will Grenze zu Italien von Soldaten kontrollieren lassen

Flüchtlingskrise: Österreich will Grenze zu Italien von Soldaten kontrollieren lassen
Österreichs Außenminister Sebastian Kurz. FOTO: dpa, pz wie
Wien. Viele Flüchtlinge landen in Italien, wollen dort aber nicht bleiben, sondern ziehen weiter nach Nordeuropa. Österreich bereitet deshalb schärfere Grenzkontrollen am Brenner-Pass vor. Die Regierung verlegt Soldaten und gepanzerte Fahrzeuge in die Region.

"Angesichts der Migrationsentwicklung in Italien müssen wir uns vorbereiten", sagte Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) der "Kronen Zeitung". "Ich erwarte sehr zeitnah, dass Grenzkontrollen aktiviert werden." Ein unterstützender Einsatz des Bundesheeres an der Grenze sei "unabdingbar, wenn der Zustrom nach Italien nicht geringer wird".

Außenminister Sebastian Kurz sagte, sein Land sei bereit, die Grenze zu Italien vor Migranten zu "schützen". Er befürchte, dass ein Strom von Flüchtlingen bald nach Österreich überschwappen könne. Dem Bericht zufolge stehen für den Einsatz zur Grenzsicherung am Brenner-Pass insgesamt 750 Soldaten zur Verfügung. Innerhalb von 72 Stunden sollen die Soldaten "im Fall einer Alarmierung" voll einsatzfähig sein. Bereits am Montag seien vier Radpanzer in das Grenzgebiet verlegt worden.

Reisende müssen mit langen Staus rechnen

Der Brenner-Übergang zu Italien ist eine der wichtigsten Nord-Süd-Routen für den Fracht- und Tourismusverkehr. Grenzkontrollen hätten gerade in der Reisezeit wohl auch auf viele Deutsche Auswirkungen: Der Brenner ist die Hauptstrecke nach Italien und zurück – und es gibt kaum attraktive Alternativen. Reisende müssten mit langen Staus rechnen, wenn Österreich tatsächlich Grenzkontrollen einführen sollte. Italien reagierte am Dienstag und bestellte den österreichischen Botschafter ein. 

Österreichs Ankündigung kommt kurz vor einem zweitägigen Treffen der europäischen Innen- und Justizminister in Tallinn. Dort soll über die Flüchtlingskrise und eine Entlastung Italiens beraten werden. Die italienische Regierung hatte damit gedroht, ausländischen Schiffen mit aus dem Mittelmeer geborgenen Migranten nicht mehr das Anlaufen italienischer Häfen zu gestatten, wenn die EU dem Land nicht in der Flüchtlingsfrage hilft.

Italien hat in diesem Jahr bereits 82.000 Flüchtlinge aufgenommen, ein Drittel mehr als vor einem Jahr. Damit ist Italien Hauptaufnahmeland für Flüchtlinge geworden, die nach Europa wollen. In Österreich ist die Zahl der Asylanträge von 90.000 auf knapp 42.100 zurückgegangen, nachdem die Balkan-Route geschlossen wurde. Zum Asylverfahren zugelassen wurden laut Innenministerium gut 36.000 Menschen. Das Land blieb damit unter der selbst gesteckten Obergrenze von 37.500 Asylverfahren. 

(wer/REU/dpa)
 
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