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13 Flüchtlinge und Baby in Kühlwagen entdeckt
Von mehr als tausend Flüchtlingen besetzte Schule in Paris geräumt

Hintergrund: So läuft das Asylverfahren ab
Hintergrund: So läuft das Asylverfahren ab FOTO: dpa, ua fpt
Paris. In Paris ist eine von mehr als tausend Flüchtlingen besetzte Schule geräumt worden. Gut 1300 Flüchtlinge verließen das frühere Lycée Jean-Quarré im Norden der französischen Hauptstadt am frühen Freitagmorgen auf Anweisung der Polizei, um in offizielle Unterkünfte gebracht zu werden, wie Reporter berichteten. Bei Calais wurde unterdessen in einem Kühlwagen 14 Flüchtlinge entdeckt.

Die Flüchtlinge hatten die leerstehende Pariser Schule Ende Juli besetzt. Ende September forderten die Behörden sie auf, das Gebäude binnen eines Monats zu räumen. Als die Polizei am Morgen mit der Räumung begann, warteten zahlreiche Flüchtlinge bereits vor der Tür mit ihrem Gepäck darauf, von Bussen abgeholt zu werden. Die Schule war das letzte große inoffizielle Flüchtlingsquartier der Stadt, nachdem in den vergangenen Monaten zwei große Lager mit jeweils mehreren hundert Bewohnern geräumt wurden.

"Überall ist es besser als hier"

"Ich weiß nicht, wo ich jetzt hinkomme, aber überall ist es besser als hier", sagte ein Mann aus Marokko. Seit Juli war die Zahl der Menschen in dem früheren Schulgebäude schnell angewachsen. Regelmäßig kam es dort zu Prügeleien; ein Arzt warnte vor Seuchengefahr. Vor allem Männer hielten sich in dem Gebäude auf, bei der Räumung zählten die Behörden nur 40 Frauen. Der Präfekt der Region Ile-de-France, Jean-François Carenco, sagte, fast alle der Flüchtlinge wollten in Frankreich Asyl beantragen.

Im Norden des Landes wurden indes 14 Flüchtlinge in einem Kühlwagen entdeckt, darunter drei Kinder zwischen sieben und zehn Jahren sowie ein 15 Monate altes Baby. Die bei Calais aufgegriffenen Menschen aus Syrien, Irak und dem Iran hätten sich in dem in Polen registrierten Lastwagen eine leichte Kohlenstoffmonoxidvergiftung zugezogen, teilten die Behörden mit. Alle seien ins Krankenhaus gebracht worden und mittlerweile außer Gefahr.

Nahe Calais existiert seit langem ein großes inoffizielles Flüchtlingslager. Rund 6000 Menschen warten in dem "Dschungel" genannten Lager unter äußerst prekären Bedingungen auf eine Gelegenheit, über den Ärmelkanal oder durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen. Erst kürzlich riefen rund 800 Prominente Frankreichs Behörden in einem offenen Brief auf, die Menschen aus dem Lager in feste Unterkünfte zu bringen.

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(AFP)