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US-Ökonom zu Griechenland
Paul Krugman: Ich bin enttäuscht von Tsipras

Paul Krugman: "Ich bin enttäuscht von der griechischen Regierung"
Paul Krugman und der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras bei einem Treffen im April 2015. Mit dem Wirtschaftsnobelpreisträger verliert Tsipras einen seiner international wichtigsten Fürsprecher. FOTO: dpa, yk pt lof
Athen. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman war im Gezerre um eine Lösung in der Griechenland-Krise lange einer der stärksten Verteidiger des Kurses der griechischen Regierung unter Alexis Tsipras. Jetzt zeigte er sich in einem Interview enttäuscht: "Ich habe die Kompetenz der Regierung überschätzt". Von Laura Sandgathe

Als sich die Eurogruppe am Montag vergangener Woche in Brüssel auf ein neues Sparpaket für Griechenland einigte, gab es jede Menge Kritik von unterschiedlichen Seiten. Nicht zuletzt gegen die harte Linie des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble wurde gewettert. Einer schoss besonders scharf: Paul Krugman, weltweit beachteter US-Ökonom und Nobelpreisträger.

In seinem Blog für die New York Times schrieb Krugman, das Vorgehen der Eurogruppe arte  in "pure Rachsucht, vollständiger Zerstörung von nationaler Souveränität und ohne eine Hoffnung auf Entlastung" aus. Es war nicht das erste Mal, dass der Wirtschaftswissenschaftler in der Sache Partei für die Griechen bezog: Auch am Wochenende des griechischen Referendums Anfang Juli kritisierte er das Vorgehen der EU.

Nun deutet alles darauf hin, dass Krugman seine Meinung über die griechische Regierung geändert hat. Und zwar um 180 Grad. In einem Interview, das er am Sonntag dem US-Fernsehsender "CNN" gab, zeigte er sich schwer enttäuscht von der Art, wie Alexis Tsipras und sein Kabinett die Probleme angehen. "Ich habe die Kompetenz der griechischen Regierung überschätzt", sagte Krugman gegenüber CNN. 

Unter anderem warf der Nobelpreisträger Tsipras und seiner Syriza-Partei vor, das Referendum über ein weiteres Spar- und Reformpaket durchgeführt zu haben, ohne für den Fall, dass die Griechen dagegen stimmen, einen Plan B vorbereitet zu haben. Genau dies passierte - und Tsipras blieb nichts anderes übrig, als vor den Gläubigern einzuknicken und die meisten der Versprechen, die er den Griechen vor dem Referendum gegeben hatte, zu brechen. 

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"Es kam mir gar nicht in den Sinn, dass sie den Schritt des Referendums gehen würden, ohne einen Notfallplan in der Tasche zu haben", sagte Krugman gegenüber CNN. Diese Haltung habe den US-Ökonomen überrascht. "Sie dachten, sie könnten einfach bessere Konditionen verlangen, ohne einen Backup-Plan zu haben", fügte Krugman hinzu.

"Das ist ein Schock. Aber, wissen Sie, es ist ohnehin hoffnungslos. (...) Die neuen Konditionen sind noch schlimmer als die alten, aber die Konditionen, die man ihnen zuvor angeboten hatte, hätten auch nicht funktioniert", sagte Krugman. Auf die Frage, ob er noch mit einem Grexit rechne, sagte der US-Ökonom: "Ich denke (...), dass sie am Ende entweder diesen Schuldenerlass bekommen, den sie derzeit nicht bekommen, oder sie müssen austreten."

Die griechische Krise sei noch lange nicht vorbei, sagte Krugman. "Sie haben nur einen Moment Pause bekommen. Vielleicht. Ich bin nicht sicher." 

In Bezug auf einen Punkt hat Krugman seine Haltung allerdings nicht geändert: Nach wie vor ist der Top-Ökonom der Meinung, dass die strikte Sparpolitik Griechenland nicht retten wird. "Die Austeritätspolitik hat nicht funktioniert, und wird in dieser Situation auch niemals funktionieren", sagte Krugman. 

(lsa)
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