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Kommentar zum Referendum in Griechenland
Lasst die Griechen für Europa wählen!

Referendum in Griechenland: Lasst die Griechen für Europa stimmen
Die Regierung Tsipras fährt in den Tagen bis zum Referendum eine regelrechte Kampagne gegen die Vorschläge der Geldgeber. FOTO: ap
Meinung | Düsseldorf. Das griechische Volk soll am 5. Juli in einem Referendum über das Sparprogramm der Geldgeber entscheiden. Zeit für die Griechen, selbst über ihr Schicksal zu bestimmen. Es ist gut möglich, dass sie sich für eine Zukunft in der Euro-Zone entscheiden. Von Michael Bröcker

Wenn man beim Spieltheoretiker Giannis Varoufakis noch einmal Anleihen für die Bewertung der Situation nehmen darf, befinden sich die Institutionen und die Regierung in Athen derzeit im so genannten Feiglingsspiel. Das kennt man aus einem James-Dean-Klassiker. Zwei Autos rasen auf einen Abgrund zu, und derjenige gewinnt, der als Letzter aus dem Auto springt. Ein Spiel für Halbstarke. Man braucht aber jetzt Erwachsene, würde IWF-Direktorin Christine Lagarde sagen. 

Fotos: Menschen in Athen - Stimmen vom Abgrund FOTO: dpa, htf

Es ist noch nicht zu spät, um im Bild zu bleiben, dass beide aus dem Auto springen und sich vom Abgrund wegbewegen. Ein Grexit muss vermieden werden. Wenn dereinst Bilder von Armut, Massenprotesten, vielleicht Unruhen, von Griechenland aus um die Welt gehen, dann wird Europa nicht mehr für eine ökonomisch kluge Entscheidung gelobt, sondern als Friedensprojekt infrage gestellt. Paris 1953. Luxemburg 1986. Maastricht 1992. Nizza 2000. Das waren die historischen Wegmarken für die europäische Integration. Athen 2015 stünde erstmals für eine Deformation, eine Rückentwicklung.  Das sollten alle verhindern. Der IWF und die EZB könnten Griechenland noch eine weitere Woche am Leben lassen, die griechischen Banken bis zum Referendum geschlossen bleiben.

Auch wenn Tsipras unverschämt spät diese Karte zieht. Warum soll das griechische Volk nicht über sein Schicksal entscheiden? Jüngste Umfragen zeigen, wie pro-europäisch viele Griechen denken. Sie sind offenbar bereit für den Euro, für Europa einen harten Sanierungskurs zu ertragen. Wer eine Volksbefragung zu den Reformplänen der Troika ablehne, lasse jene Werte degenerieren, die in der Idee Europas verkörpert sind, hatte der verstorbene FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher 2011 geschrieben. Da erntete Tsipras' Vorgänger Papandreou einen Sturm der Entrüstung für den Plan eines Referendums. 

Griechenland: Die wichtigsten Personen am Verhandlungstisch FOTO: dpa, soe kno

Tsipras, der nun auf ein Nein seines Volkes hofft, um eine "bessere Verhandlungsposition" zu haben, wie er sagt, wäre bei einem gegenteiligen (pro-europäischen) Votum geschwächt. Er müsste den Reformplan akzeptieren. 

Seit 2010 ringt Europa mit der Griechenland-Krise. Eine Woche kann Europa jetzt auch noch warten. 

Quelle: RP
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