| 15.17 Uhr

Vor Referendum
Tsipras und Varoufakis hetzen gegen Geldgeber

Griechische Rentner strömen zu den Banken
Griechische Rentner strömen zu den Banken FOTO: afp, am/JK
Athen. Einen Tag vor dem Referendum in Griechenland hat Finanzminister Varoufakis den internationalen Geldgebern "Terrorismus" vorgeworfen. Ähnlich äußerte sich Ministerpräsident Tsipras. In Umfragen zeigten sich die Griechen gespalten in zwei nahezu gleich große "Ja"- und "Nein"-Lager. 

"Warum haben sie uns gezwungen, die Banken zu schließen? Um Angst unter den Leuten zu schüren", sagte Varoufakis "El Mundo". "Und wenn es darum geht, Angst zu verbreiten, dann nennt man dieses Phänomen Terrorismus." Mit Blick auf die Volksabstimmung am Sonntag sagte der für seine harte Rhetorik bekannte Minister, die internationalen Geldgeber wollten, "dass das 'Ja' gewinnt, damit sie die Griechen weiter erniedrigen können".

Ministerpräsident Tsipras warb am Freitagabend bei einer Kundgebung vor dem Parlament in Athen erneut für ein "Nein" zu den Forderungen der Gläubiger. "Wir entscheiden am Sonntag nicht nur darüber, in Europa zu bleiben", sagte er vor rund 25.000 Menschen. "Wir entscheiden über ein Leben in Europa in Würde." Die Bürger sollten "Nein zu Ultimaten sagen und denjenigen den Rücken zuwenden, die euch terrorisieren", sagte der linke Ministerpräsident.

Nur wenige hundert Meter von der "Nein"-Kundgebung entfernt demonstrierten am Freitagabend in Athen 22.000 Menschen für ein "Ja" zu den Vorschlägen der Geldgeber Griechenlands. Sie fürchten im Fall eines "Nein" den Bankrott des Landes. Zuvor hatte das Oberste Verwaltungsgericht des Landes das Referendum gebilligt. Die Griechen können damit am Sonntag über die Reformforderungen der Gläubiger abstimmen. Das Votum gilt vielen auch als Abstimmung über Griechenlands Zukunft in der EU und im Euro.

Die elf Millionen Einwohner Griechenlands sind Umfragen zufolge praktisch gleichmäßig geteilt zwischen "Ja" und "Nein". Eine Umfrage von GPO ergab 44,1 Prozent für "Ja" und 43,7 Prozent für "Nein", während laut einer Alco-Umfrage 44,5 Prozent für die Annahme der internationalen Vorschläge sind und 43,9 Prozent dagegen. Die "Ja"-Seite hat dazugewonnen, da seit Montag die Banken weitgehend geschlossen und Abhebungen begrenzt worden sind.

Varoufakis wies am Samstag einen Zeitungsbericht über die Einführung einer Zwangsabgabe für Kontoinhaber zurück. Bei dem Bericht der "Financial Times" handle es sich um ein "böswilliges Gerücht", erklärte Varoufakis. Die britische Zeitung hatte berichtet, Bürgern mit mehr als 8000 Euro Guthaben könnte eine Zwangsabgabe zur Stützung der Banken drohen. Im Gespräch sei eine Abgabe von mindestens 30 Prozent der Einlagen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Banker und Geschäftsleute. In Zypern war angesichts der drohenden Staatspleite 2013 ebenfalls eine Zwangsabgabe für Sparer eingeführt worden.

Wie es nach dem Referendum weitergeht, ist offen. Im Fall eines Siegs für das "Ja"-Lager könnte die Regierung zurücktreten und das Land auf Neuwahlen zusteuern. Ob es im Fall einer Mehrheit für ein "Nein" neue Verhandlungen gibt, ist unklar. Während Tsipras im diesem Fall hofft, gestärkt zurück in die Verhandlungen mit den Geldgebern zu gehen, warnte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, ein "Nein" werde die "griechische Position deutlich schwächen".

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte der "Bild"-Zeitung von Samstag, die Verhandlungen würden nach Auslaufen des bisherigen Hilfsprogramms "auf völlig neuer Grundlage und unter erschwerten wirtschaftlichen Voraussetzungen" stattfinden.

(AFP)
 
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